Wie aus Journalismus Propaganda wurde – von Fabian Goldmann

Shownotes

Wer seit dem 7. Oktober deutsche Leitmedien konsumierte, erfuhr vor allem eines: was die israelische Armee behauptet. Eine Analyse von über 10.000 Beiträgen rekonstruiert, wie deutscher Nahost-Journalismus systematisch Partei ergriffen hat.

Artikel vom 24. Juni 2026: https://jacobin.de/artikel/journalismus-gaza-palaestina-israel-deutsche-medien

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00:00:00: Wie aus Journalismus Propaganda wurde?

00:00:04: Wer seit dem siebten Oktober deutsche Leitmedien konsumierte, erfuhr vor allem eines – was die israelische Armee behauptet.

00:00:11: Eine Analyse von über zehntausend Beiträgen rekonstruiert wie deutscher Nahostjournalismus systematisch Partei ergriffen hat!

00:00:20: Von Fabian Goldmann.

00:00:23: Wir leben in historischen Zeiten.

00:00:25: Seit dem Hamas-Angriff vom siebte Oktober zwei Tausend Dreiundzwanzig überzieht Israel seine Nachbarn mit einem Maß an Gewalt dass viele im einundzwanzigsten Jahrhundert nicht mehr für möglich gehalten haben.

00:00:37: Zehntausende Menschen wurden getötet, Millionen vertrieben – ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht.

00:00:44: Ermöglicht wurden die nicht endenwollenden Gewalteskalationen, Völkerrechts- und Tabubrüche auch und insbesondere durch die bedingungslose Unterstützung Israels durch Deutschland.

00:00:55: Waffenlieferungen und diplomatische Rückendeckung gingen einher mit massiven Repressionen gegen kritische Stimmen in Inland.

00:01:02: Die Sicherheit Israels ist deutsche Staatsreson.

00:01:06: Unter der von Angela Merkel geprägten Formel hat ein Großteil des politischen Establishments in Deutschland einmal mehr Angriffskriege und Genozid unterstützt.

00:01:14: Welche Rolle haben Deutsche Medien in diesen historischen Zeiten gespielt?

00:01:18: Haben sie die Öffentlichkeit präzise über Gewalt, Leid- und Zerstörung in Gaza und anderen Teilen der Region – und damit auch die Folgen deutscher Politik informiert?

00:01:29: Wie sind Medienschaffende ihrer Rolle als kritische Wächter der Macht gerecht geworden?

00:01:34: Das sind die Fragen, die ich mir vor knapp anderthalb Jahren vorgenommen habe zu beantworten.

00:01:39: Für mein Buch Staatsresonfunk habe ich über zehntausend Beiträge von Bild-, Spiegel-, Tagesschau-, Tatz- und Zeit über einen Zeitraum von fünfzehn Monaten ausgewertet – außerdem hunderte Nachrichtensendungen, Talkshows und Zeitschriften untersucht sowie mit zahlreichen Redakteuren, Expertinnen und Betroffenen gesprochen!

00:01:59: Ein Ergebnis.

00:02:01: Das historische Ausmaß der Gewalt in Nahost und die bedingungslose deutsche Unterstützung Israels wurden begleitet von einem nicht weniger historischen Versagen deutscher Leitmedien.

00:02:11: Wie in kaum einem anderen Land haben Redaktionen hierzulande die täglichen Verbrechen Israells verharmlost, gerechtfertigt oder gleich ganz verschwiegen.

00:02:21: Statt an der gut dokumentierten Realität orientierte sich ein Großteil der deutschen Nahostberichterstattung an den Behauptungen der israelischen Kriegspartei.

00:02:31: Statt als kritische Wächter der Macht erwies sich die vermeintliche vierte Gewalt zu großen Teilen, als Unterstützerin und Ermöglicherin von Deutschlands Politik der Staatsresonfunk.

00:02:44: Das Versagen des deutschen Nahost-Journalismus ist nicht auf einzelne Medien – nicht auf wenige schwarze Schafe begrenzt.

00:02:52: Auslassungen und Einseitigkeiten prägen die Berichterstattung von Privaten ebenso wie von öffentlich rechtlichen Medien.

00:02:58: Ihre Führungen und Fallstarstellungen finden sich in Boulevard-Zeitungen ebenso wie in Qualitätsmedien.

00:03:05: Rassistische Stereotype durchziehen die Beiträge der rechten Bild, ebenso als jene der als links geltenden Tats.

00:03:12: Wer im Deutschland der zwei Tausendzwanziger Jahre die Zeitung aufschlug den Fernseher einschaltete oder durch seine Timeline scrollte um sich über die Ereignisse in Israel, Palästina und anderen Teilen der Region zu informieren Der stieß mit großer Wahrscheinlichkeit auf Statements aus der Presseabteilung von Israels Armee, Auf Euphemismen über Schutzzonen und gezielte Gegenschläge.

00:03:35: Auf Verbrechen, deren Täter sich hinter Passivkonstruktionen verbagen.

00:03:40: Auf immer neue Hamas-Kommandozentralen die sich dann doch wieder als Schule oder Krankenhaus entpuppten.

00:03:47: Auf Legenden von Selbstverteidigung und menschlichen Schutzschildern – auf Israils Kampf gegen die Hamas!

00:03:55: selbst dann noch als die meisten Fachleute längst vom Genozid an der palästinensischen Zivilbevölkerung sprachen.

00:04:02: Auf Einseitigkeiten, Rassismus und Fake News – nur auf guten Journalismus stieß man selten.

00:04:09: Schwerwiegende und weitreichende Verstöße gegen journalistische Standards finden sich in allen Bereichen journalistischen Handwerks von der Wahl von Themen und Perspektiven über den Umgang mit Quellen, Fakten und Meinungen, Bilder und Kontexte bis hin zur Frage, wer kommt zu Wort?

00:04:29: Und wer nicht.

00:04:31: Wo sind all die Palästinenser hin?

00:04:35: Audiatur et altera pass.

00:04:37: Man höre auch die andere Seite.

00:04:39: Von diesem in Programmaufträgen Journalismus Handbüchern und Pressekodeises festgeschriebenem Grundsatz hatten sich viele Medienschaffende schon in den ersten Tagen der Berichterstattung verabschiedet.

00:04:50: Vertreter der israelischen Regierung und Armee sowie proisraelischer Lobbyorganisationen waren in deutschen Talkshows und Nachrichtensendungen allgegenwärtig.

00:05:00: Auf palästinensische Perspektiven, seien sie durch paläestinensische Politiker, Experten oder Betroffene von Gewalt- und Vertreibung musste man hingegen lange warten.

00:05:10: Ein Beispiel von vielen – allein der deutschsprachige Sprecher der israelischen Armee Ariye Sharuz Shalikar wurde in deutschen Tages- und Wochenzeitungen in fünfzehn Monaten über achthundert Mal zitiert weit mehr als alle palästinensischen Repräsentanten zusammen.

00:05:26: Deutlich ist der Ausschluss palestinensischer Stimmen auch in jenem Format, dass wie kein anderes für die vermeintliche Qualität des deutschen Nachrichtenjournalismus gilt.

00:05:36: In fünfzehn Monaten Berichterstattung ließ die Tagesschau in ihren zwanzig Uhr-Nachrichten einhundertdreißig Mal israelische Politikerinnen und Militärs zu Wort kommen.

00:05:47: Palästinenzische Repräzentanten brachten es im selben Zeitraum auf gerade einmal vier Auftritte.

00:05:53: Noch selten erhörte das Tagesschau-Publikum die Perspektive humanitärer NGOS.

00:06:00: Ihre Vertreterinnen wurden in fourhundert und siebzig Sendungen lediglich zweimal zugeschaltet, mehr Israel pro Woche als Palestina im halben Jahr.

00:06:12: Sagen was ist?

00:06:13: Aus dem alten Spiegel-Slogan wurde mit dem siebten Oktober in vielen Medien sagen was die israelische Armee behauptet.

00:06:21: Offizielle israelische Perspektiven dominieren die deutsche Nahost-Berichterstattung.

00:06:26: Das gilt nicht nur für Zitate und Ohntöne, die sorgsam recherchierte Nachrichten um eine israelische Sicht der Dinge ergänzen.

00:06:33: Stattdessen wurden die oftmals unbelegten Behauptungen einer Kriegspartei in vielen Redaktionen selbst zur Nachricht.

00:06:43: …………….

00:07:19: brachten es gerade einmal auf zweihundertvierundvierzig Schlagzeilen.

00:07:23: In anderen Worten, israelische Angaben schafften es allein in der ersten Woche der Berichterstattung häufiger in die Schlagzahlen deutscher Leitmedien als palästinensische im ersten halben Jahr.

00:07:34: Die Beschränkung auf offizielle israelischer Angaben verwundert umso mehr da sich ein Großteil des Nachrichtengeschäens in Gaza und im Libanon abspielte – also inmitten potentieller palästeinensicher.

00:07:48: Doch die Informationen, die Augenzeugen, Angehörige, Rettungskräfte, Ärzte, Fachleute, lokale Behörden und einheimische Reporter vor Ort lieferten blieben in deutschen Nachrichtenredaktionen weitgehend unberücksichtigt.

00:08:03: Auch die regelmäßigen und umfassenden Berichte –die internationale Organisationen-und humanitäre NGOs bereitstellen– schafften es nur selten in die Schlagzeilen.

00:08:14: Sämtliche palästinensischen, und libanesischen Quellen, einhundertvierzig sowie alle internationalen Organisationen dreihundert achtundachtzig und NGOs fünfzig machten gemeinsam nicht einmal halb so viele Schlagzeilen wie Israels Regierung und Armee allein eintausend siebenhundertneunzwanzig.

00:08:37: Und das obwohl sich ihre Informationen etwa im Fall israelischer Angriffe immer wieder als glaubwürdiger und konsistenter erwiesen als die unbelegten Behauptungen der israelischen Armee.

00:08:48: Und täglich grüßt die Hamas Kommandozentrale.

00:08:53: Die starke Verengung auf offizielle israelische Angaben bedeutet in der journalistischen Praxis, Gegenstand der Berichterstattung ist oftmals nicht die vielfach gut dokumentierte tödliche und zerstörerische Realität in der Region sondern die durch keine weiteren Quellen belegten Behauptungen einer Kriegspartei.

00:09:09: Selbst durch zahlreiche unabhängige Quellen dokumentierte Massaker schafften es oftmals nur in Form des israelischen Dementes in die Schlagzeilen.

00:09:18: Journalismus zu einem der wichtigsten Nachrichtenthemen unserer Zeit wurde in weiten Teilen ersetzt, durch Copy and Paste aus den Pressemitteilungen der israelischen Armee.

00:09:28: In vielen Fällen waren Meldungen deutscher Qualitätsmedien nur durch konjunktive und Anführungszeichen von den Pressestatements der IDF zu unterscheiden – oftmals nicht einmal das!

00:09:40: Regelmäßig präsentierten Medien die fragwürdigen und durch keine weiteren Quellen gestützten Behauptungen und versteßen damit eklatant gegen das für den Journalismus grundlegende Zweikwellen-Prinzip.

00:09:54: Einige wenige von hunderten Beispiels.

00:09:56: In der Zeit hieß es etwa, israelische Armee findet Hamas Einsatzzentrum im Schieferkrankenhaus in der Bild «Hamas versteckte Waffen in Babybrutkästen».

00:10:06: Und in der Tagesschau Israel's Armee stürmt Hamas Ausbildungsstätte.

00:10:11: Falsche Tatsachenbehauptungen sind nicht die seltene Ausnahme in der deutschen Nahostberichterstattung!

00:10:17: Sie finden sich dort fast täglich.

00:10:19: Beispielhaft für das unbeirrbare Vertrauen deutscher Nachrichtenredaktionen in die Angaben der israelischen Armee sind auch die nicht endenwollenden Meldungen über immer neue Hamas-Kommandozentralen, die meist immer dann auftauchen wenn Israel ein neuerliches Massaker an Zivilisten rechtfertigen muss.

00:10:37: Einhundertundzwanzig Mal war in fünfzehn Monaten Berichterstattung beispielsweise in der Zeit von einer Kommandozentrale zu von Hamas, Hisbollah oder Hutis, die Rede.

00:10:48: Einen unabhängigen Beleg für die Existenz auch nur einer einzigen Kommandozentrale fand sich nicht – Die Sprache der Gewalt.

00:10:58: Immer wiederkehrende Kommandocentralen sind nur eins von vielen Beispielen, die zeigen wie unkritisch deutsche Leitmedien auch die propagandistische Sprache des israelischen Armee und Regierung übernehmen.

00:11:09: Von Evakuierungen ist in deutschen Medien immer wieder die Rede wenn in Wahrheit gewaltsame Vertreibungen gemeint sind.

00:11:18: Schutzzonen oder Sicherheitskorridore wird berichtet.

00:11:22: Obwohl humanitäre Organisationen unablässig darauf hinweisen, dass es solche Orte in Gaza nicht gibt.

00:11:28: Bombadierungen zivile Einrichtungen wie Wohnhäuser oder Flüchtlingslager mit zahlreichen Zivilentoten werden als Kämpfe- oder Gefechte verharmlost.

00:11:37: Die begrenzte Operation Rafa führte ebenso wie die lokal begrenze Bodenoffensive im Libanon zur Tötung Tausender und Vertreibung hunderttausender Menschen sowie zur Zerstörung tausender Wohngebäude.

00:11:50: Zu einem gewissenhaften Umgang mit propagandistischer Sprache durch die jeweiligen Redaktionen führten sie nicht.

00:11:57: In der deutschen Nahost-Berichterstattung haben sich völlig unterschiedliche Begrifflichkeiten für Gewalttaten etabliert, deren Auswahl hängt nicht von der konkreten Tat ab sondern vor allem davon wer der Täter ist.

00:12:10: Im Fall israelischer Gewaldtaten entscheiden sich deutsche Medien häufig für eine kontextualisierende und beschönigende Sprache.

00:12:18: reagiert, präzise, begrenzt, gezielt.

00:12:23: Bei gegen Israel gerichteter Gewalt fällt die Wahl hingegen auf dramatisierende Begriffe – barbarisch, brutal, beispiellos.

00:12:31: Eintausend-einhundertachtundachzigmal war in fünfzehn Monaten Berichterstattung von Bild-, Spiegel-, Tagesschau-, Tats- und Zeitvon einem Großangriff die Rede.

00:12:43: Fast immer waren damit gegen Israel Gerichtete Angriffe gemeint.

00:12:47: Fünfundneunzig, acht Prozent.

00:12:49: Attacken Israels gegen Menschen in Gaza im Libanon und anderen Orts gelten deutschen Redaktionen hingegen fast nie als Großangriff – ganz gleich wie groß sie auch sind.

00:13:01: Ähnlich tendenzieus ist die Verwendung des Begriffs Massaker.

00:13:05: Dreitausend vierhundertachtmal war von solch einem die Rede.

00:13:09: Fast immer war damit der Hamas-Angriff vom Siebten Oktober gemeint.

00:13:13: Vierundneinzig, drei Prozent Für die zahlreichen von Israel begangenen Massaker machten sich Bild, Spiegel, Tagesschau, Tats und Zeit den Begriff kein einziges Mal zu eigen.

00:13:26: Tödliche Narrative – aber Hamas!

00:13:31: Deutsche Nahost-Berichterstattung bewegt sich vor allem im engen Rahmen der durch offizielle israelische Verlautbarungen und Deutschlands Politik der Staatsreson abgesteckt ist.

00:13:41: Das gilt auch für die großen zugrunde liegenden Erzählungen über die Ereignisse seit dem siebten Oktober.

00:13:47: Das bestimmende Narrativ.

00:13:49: Israels Sicherheit und der Kampf gegen die Hamas.

00:13:53: Nahezu unhinterfragt in deutschen Leitmedien ist die Erzählung, wonach es sich bei Israels Vorgehen in Gaza um einen Krieg gegen die Hammashandle.

00:14:03: Dabei mehrten sich schon in den ersten Tagen und Wochen die Hinweise durch Menschenrechtsorganisationen Genozid-Forscher sowie führende Fachleute der Vereinten Nationen – dass Israils Angriffe vielmehr einem Völkermord als einem Antiterror-Einsatzgleiche.

00:14:19: Auch als in den folgenden Wochen und Monaten alle großen internationalen und israelischen Menschenrechtsorganisationen, viele der weltweit führenden Experten unter ihnen die weltweit größte Vereinigung von Völkermordforschern sowie eine Untersuchung im Auftrag des UN-Menschenrechtsrates zu dem Ergebnis kam das Israel einen Genozid in Gaza begeht änderte sich die Berichterstattung deutscher Leitmedien nicht.

00:14:44: Die wenigen Erwähnungen des Begriffs genozid fanden sich fast ausnahmslos in Form von Zitaten, Interviews und Meinungsbeiträgen.

00:14:53: Kein einziges der untersuchten Medien machte sich den Begriff Genozid zur Beschreibung der Gewalt im Gaser zu eigen.

00:14:59: Im Gegenteil – In vielen Medien erschienen regelmäßig Meinungsbeiträge, in denen die gut dokumentierten Anschuldigungen durch meist fachfremde Redakteure zurückgewiesen wurden.

00:15:10: Ohne auch nur eine der bis dahin erschienenen Untersuchungen zum Genozide zu würdigen kam der Tagesschau Faktenfinder am achtundzwanzigsten November zwei tausenddreiundzwantig unter der Überschrift des Informations zu Israel vom Täter zum Opfer gemacht.

00:15:24: Beispielsweise zum Ergebnis beim Genozidvorwurf gegen Israel, handele es sich um einen antisemitischen Verschwörungsmythos.

00:15:33: Revidiert hat die Redaktion das Urteil nie in vielen weiteren Medien u.a.

00:15:38: Tatz, Spiegel, Zeit, FAZ und Süddeutsche Tatenredakteure die gut dokumentierte Realität der Gewalt in Gaza ähnlich lapidar ab.

00:15:48: Israel ist der einzige Akteur, dessen Angriffe in allen untersuchten Medien auch immer wieder ganz explizit als legitime Form der Selbstverteidigung dargestellt wurden.

00:15:57: Ist im Bild, Spiegel, Tagesschau, Tatz und Zeit vom Recht auf Selbstverteiligung die Rede?

00:16:04: Ist in den allermeisten Fällen Israel gemeint – Von einem palästinensischen, libanesischen, iranischen, jemenitischen oder syrischen Recht auf Selbstverteidigung liest man im Kontext israelischer Angriffe so gut wie nie etwas – zusammen drei Komma zwei Prozent.

00:16:24: Gute Opfer, schlechte Opfer!

00:16:28: Die Folge dieser tendenziösen Berichterstattung die von Israel in der Region begangenen Verbrechen und das damit ein hergehende menschliche Leid werden verschleiert oder gleich ganz unsichtbar gemacht.

00:16:40: Dies geschieht auch ganz unmittelbar.

00:16:43: Umfassend berichteten deutsche Leitmedien über die am siebten Oktober-Zweitausenddreiundzwanzig von der Hamas aus Israel entführten zweihundert und fünfzig Menschen sowie die israelischen Todesopfer durch Angriffe von Hamas, Hisbollah oder Iran.

00:16:57: Eine auch nur annähernd vergleichbare Berichterstattung zu den Opfern israelischer Gewalt gibt es nicht.

00:17:03: Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Opfer sind israelische Gegenüber palästinensischen Betroffenen von Gewalt in allen untersuchten Medien deutlich überrepräsentiert.

00:17:13: Die Spannweite reicht von achtzehnfacher Überrepräsentation in der Tatz bis zu siebenundneunzigfachen Überrepräzentation im Bild.

00:17:21: Letzteres bedeutet, in der Bild kommen die Opfer israelischer Gewalt praktisch gar nicht vor.

00:17:27: Ein Beispiel von vielen mit eintausend sechshundert fünfzehn Erwähnungen Ist Chani Luke das deutsche israelische Opfer mit der umfassendsten Berichterstattung in deutschen Tages- und Wochenzeitungen?

00:17:38: Die deutschpalästinensischen Opfer, die in Gaza getötete Dortmunder Familie Abu Jadalla brachte es auf lediglich zehn Erwähnungen.

00:17:48: Mit diesen Zahlen ist das Problem der Unsichtbarmachung des von Israel verursachten Leides längst nicht ausreichend beschrieben – auch die Art der Berichterstattung unterscheidet sich deutlich!

00:18:01: Im Fall getöteter Israelis erfahren deutsche Medienkonsumenten in aller Regel Namen und Geschichten der Toten.

00:18:08: Sie blicken in ihre Gesichter, sehen die weinenden Angehörigen am Sarg.

00:18:13: Über palästinensische, libanesische, jemenitische oder iranische Tote erfährt man meist nur in Form anonymer Zahlenangaben – oftmals noch mit dem Zusatz dass man die Angaben nicht habe überprüfen können.

00:18:27: Hinzu kommt Israelische Opfer werden in deutschen Medien meist als Zivilisten präsentiert, vierundneunzig Komma drei Prozent.

00:18:34: Teilt sogar dann wenn es sich in Wahrheit bei ihnen um Soldaten handelt.

00:18:39: Schafften es palästinensische und libanesische Opfe an die Schlagzeilen wurden sie deutlich seltener als Zivillisten präsentiert.

00:18:46: Dreiundsechzig Kommas Beziehungsweise Vierzig Komma Null Prozent.

00:18:50: Iranische und jemenitische zivile Opfer schafften Es In Bild Spiegel Tagesschau Zeit Und Tats sogar in keine einzige Überschrift.

00:19:00: Umfassende personalisierte Berichterstattung erfahren die Opfer israelischer Gewalt in deutschen Medien meist nur in Form von Erfolgsmeldungen über getötete Terroristen.

00:19:10: In der Zeit kamen beispielsweise auf eine Geschichte über zivile libanesische Einzelschicksale, fünfzehn Schlagzeilen über Getötete Hisbollah-Terroristen.

00:19:20: Der Bild war die Tötung von Hamas Chef Sinwa allein sechzehn Schlagzeilen wert – zum Beispiel Trug Sinwa Witwe eine Luxushandtasche.

00:19:30: Von israelischer Gewalt betroffene palästinensische Einzelschicksale schafften es hingegen lediglich ein einziges Mal in einer Überschrift von Deutschlands größter Tageszeitung.

00:19:42: Nichts rechtfertigt den siebten Oktober, der siebte Oktober – rechtfertig alles!

00:19:49: Die Tendenz des deutschen Nahost-Journalismus die Ereignisse in der Region zugunsten der offiziellen israelischen Perspektive zu verzerren geht soweit dass selbst zum Verständnis der Eregnisse Unabdingbare historische, politische und juristische Hintergründe weitgehend unbeachtet bleiben.

00:20:07: Kontext ist alles!

00:20:08: Nimmt man diesen journalistischen Leitsatz ernst?

00:20:11: Würde das

00:20:11: bedeuten?!

00:20:13: Der Großteil der deutschen Nahost-Berichterstattung ist nichts.

00:20:17: Unter den elftausend einhundertundzwanzig untersuchten Beiträgen fanden sich nur in Ausnahmefällen Erwähnungen der seit neunundfünfzig Jahren andauernden israelischen Besatzung – sechs Komma acht Prozent der Beiträge oder der seit neunzehn Jahren andauernden Belagerung des Garzer Streifens, drei Komma acht Prozent.

00:20:36: Auch die Begriffe Apartheid, zwei Komma neun Prozent oder Nackbar, zwei Komma eins Prozent kamen kaum vor!

00:20:44: Eine historische Bezugnahme ist hingegen in fast allen Beiträgen zu finden – Der Angriff der Hamas vom siebten Oktober zwetausenddreiundzwanzig, neunzig Komma null Prozent.

00:20:55: Historische Einordnungen, die über den siebte Oktober hinausreichen werden in deutschen Medien nicht nur kaum vorgenommen, sie werden regelmäßig auch ganz explizit zurückgewiesen.

00:21:05: Wer die Vorgeschichte des siebten Oktober erwähne so hieß es im zahllosen Meinungsbeiträgen rechtfertige die Taten der Hamas.

00:21:13: Folgt man dieser Argumentation lautet die Botschaft, die viele deutsche Leitmedien in den letzten Jahren vermittelten.

00:21:21: Nichts rechtfertigt den siebte Oktober, der siebde Oktober rechtfertig alles.

00:21:26: Die Folgen dieser einseitigen Irreführenden und oftmals schlicht falschen Berichterstattung sind kaum zu unterschätzen.

00:21:33: Propaganda ist seit jeher fester Bestandteil von Kriegsführungen.

00:21:37: Medienschaffende, die die Propagandas von Kriegsparteien – sei es aus Unfähigkeit, Gleichgültigkeit oder Überzeugung – immer wieder kritiklos übernehmen, laufen Gefahr selbst Teil der Kriegsführung zu werden.

00:21:50: Ein Journalismus, der immer wieder grundlegende Standards verletzt hinterlässt nicht nur eine schlecht informierte Leserschaft Er hinterlässt im schlimmsten Fall Tod und Zerstörung.

00:22:01: Vieles von dem, was seit dem siebten Oktober von deutschen Medien veröffentlicht wurde hatte wenig mit jener ausgewogenen, faktenbasierten und kontextualisierenden Berichterstattung zu tun die Journalismus eigentlich sein soll.

00:22:15: Betrachtet man die deutsche Nahost-Berichterstattern hingegen durch die Brille der Kriegspropaganda ergeben viele Veröffentlichungen weit mehr Sinn Den Feind demonisieren und entmenschlichen und damit die eigene Gewalt rechtfertigen.

00:22:30: Dieses Muster der Kriegspropaganda fand sich seit dem siebten Oktober auch immer wieder auf deutschen Zeitungsseiten- und Fernsehbildschirmen wider, bei der Verbreitung von Gräuelpropagandas also erfundenen Schreckensgeschichten viel vor allem die Bild immer wiederauf etwa mit Schlagzeilen wie Sie schnitten Babys die Köpfe ab, Hamas Barbaren vergewaltigten sogar Leichen oder haben Terroristen ein Baby im Ofen verbrannt?

00:22:56: Ähnliche Falschberichte etwa über die angeblich von der Hamas enthaupteten vierzig Babys erschienen, unter anderem auch in der BZ, Welt, Fokus, Tagesspiegel, TATS, ZDF und vielen mehr.

00:23:11: Richtig gestellt wurden sie bis heute nicht!

00:23:13: Die Wirkung dieser Berichterstattung ist ohnehin nicht mehr zurückzunehmen.

00:23:17: Palästinenser als das Absolutböse, als Barbaren-und neue Nazis gegen die jedes Mittel recht sei.

00:23:25: Diese Darstellung geschah in hunderten Medienbeiträgen auch ganz explizit.

00:23:30: Die Barbaren sind unter uns, titelte die Bild.

00:23:34: Es ist wie einst mit Nazi-Deutschland.

00:23:36: es hilft nur noch die totale Niederlage und Free Palestine is das neue Heil Hitler, hieß es in der Welt.

00:23:44: Wer Gaza sagt muss Dresden sagen lautete einen Beitrag.

00:23:48: in der Tat.

00:23:50: Manchmal ist es notwendig zu töten um das Morden zu beenden.

00:23:54: Diesen Namen gab Spiegel einer Tall-Grunde zu einem Zeitpunkt, als Israels Angriffe auf den Gaserstreifen bereits über neuntausend Menschen das Leben gekostet hatten.

00:24:03: Auch die immer wiederkehrenden Irreführenden und falschen Berichte über den Charakter der Engaza und im Libanon von Israils Armee angegriffenen Ziele fügen sich in eine Kriegspropaganda, die jeden Ort als legitimes Angriffsziel markiert.

00:24:17: Die systematische Zerstörung des palästinensischen Gesundheitssystems ging beispielsweise einher mit einer massiven Propagandakampagne Israels, in der fast jedes Krankenhaus in Gaza zur angeblichen Terrorbasis erklärt wurde.

00:24:31: Diese fand nicht nur über die offiziellen Kanäle Israells sondern auch über deutsche Nachrichtenmedien statt – die die unbelegten Vorwürfe immer wieder prominent übernahmen oder gleich ganz als Tatsache verbreiteten.

00:24:43: Die wochenlange Berichterstattung über eine angebliche Hamas-Kommandozentrale unter Gases größtem Krankenhaus der Allschieferklinik ist nur eines von zahlreichen Beispielen.

00:24:55: Dass sich die israelischen Terrorvorwürfe in keinem einzigen Fall der sixunddreißig angegriffenen Krankenhäuser unabhängig bestätigen lassen haben, wie es unter anderem eine UN-Untersuchung im Oktober zwei tausend vier und zwanzig feststellte, erfuhr der Großteil des deutschen Medienpublikums nie!

00:25:12: Auch den umfassenden Berichten über die systematische Tötung palästinensischer Medienschaffender standen deutsche Medien oftmals desinteressiert gegenüber.

00:25:21: Schlimmer noch!

00:25:23: Viele unterstützten das Morden sogar, indem sie sich an den Diffamierungskampagnen gegen palästeinensische und libanesische Reporterinnen- und Fotografen beteiligten.

00:25:33: Die Beiträge – wenn Journalisten auch Terroristen sein können in der Tat's?

00:25:38: Später in «Können Journalisten Terroristen seien?» umbenannt oder als Journalist getarnte Terrorist in Gaza getötet, Bild über einen getöteten Al Jazeera-Korrespondenten später umbenannt im Getöteterjournalist soll Terrorist gewesen sein.

00:25:54: Oder Israel greift Hamas Kämpfe an, Tagesschau über fünf von Israel getötete Journalisten sind nur drei von hunderten Beispiels, in denen deutsche Medienschaffende ihre eigenen Kollegen und Kolleginnen zum Abschuss freigaben.

00:26:07: Zweihundertzweiundfünfzig von Israel getötete Medienschaffende hat das Komitee zum Schutz von Journalisten,

00:26:14: C.P.J.,

00:26:16: vom siebten Oktober zwetausendzeihundzwanzig bis ersten Dezember zweitausendfünfundzwanzig dokumentiert – mehr als in jedem anderen Krieg jemals!

00:26:26: Bei keinem einzigen gibt es handfeste Belege dafür dass sich um einen bewaffneten Kämpfer handelte.

00:26:32: der einzige Grund indem die Genfer Konvention einen Angriff legitimieren würde Mediales System versagen.

00:26:40: Auch in Deutschland sind gewissenhaft arbeitende Journalisten zunehmend Anfeindungen und Repressionen ausgesetzt, In vielen Redaktionen herrsch ein Klima der Angst, berichtete Reporter ohne Grenzen im April zwei tausend fünfundzwanzig.

00:26:54: Angst vor Jobverlust, vor Shitstorms im Netz, Voranrufen durch die israelische Botschaft aber auch vor anderen Medien.

00:27:02: Insbesondere Die Bild startet seit dem siebten Oktober regelmäßig Kampagnen gegen unliebsame Medien schaffende.

00:27:08: Die vermierende und diskreditierende.

00:27:09: Hit-Pieces erschienen auch in der FAZ, im Tagesspiegel, im Fokus, in der Tatz, in den jüdischen Allgemeinen, im ZDF und vielen mehr.

00:27:20: Auch Aktivistinnen, Kulturschaffende, Wissenschaftler und Politikerinnen die auf dem wahren Charakter der israelischen Kriegsführung Die vorzunehmender Polizeigewalt warnten und der Tagesthemenkommentar, der pro-palästinensische Demonstranten mit der Hitlerjugend verglich sind nur zwei von hunderten solchen Beiträgen.

00:27:49: Die Missstände des deutschen Nahostjournalismus betreffen nicht nur nahezu das gesamte etablierte Mediensystem.

00:27:55: unter den Tageszeitungen berichtete nur die marxistische junge Welt konsequent abseits des Staatsreson narrativs.

00:28:02: Sie gelten ebenso für Journalistenverbände große Teile des Medienjournalismus sowie die journalistischen Kontrollgremien.

00:28:10: Auch sie erwiesen sich oftmals mehr als Teil des Problems, als der Lösung.

00:28:15: Während Rundfunkräte und Landesmediananstalten trotz hunderter Beschwerden weitgehend untätig blieben, gab der Presserat teils sogar eindeutigen Falschmeldungen seinen Segen.

00:28:25: Explizit nichts zu beanstanden hatte das Selbstkontrollgeremium beispielsweise an der Bild Fake News – Sie schnitten Babys die Köpfe ab!

00:28:33: sowie an den Bezeichnungen Terrorbehörde für die UNRWA und Terrortuch für das traditionelle palästinensische Kleidungsstück Kufia.

00:28:43: Auch nach Selbstkritik, Verantwortungsübernahme und Konsequenzen innerhalb der Redaktionen sucht man nach über zweieinhalb Jahren irre Führungen, Einseitigkeiten und Diffamierungen weitgehend vergebens.

00:28:57: Auch das unterscheidet die deutsche Medienlandschaft.

00:29:00: Während in großen Medienhäusern im USA oder im Vereinigten Königreich immer wieder einzelne oder teils hunderte Mitarbeiter Die Missstände im eigenen Haus öffentlich machten und Öffentlichkeits wirksam Konsequenzen von ihren Vorgesetzten verlangten, wartet die deutsche Öffentlichkeit bis heute vergeblich auf den offenen Brief.

00:29:19: In dem Tagesschauredakteurinnen den Rücktritt ihrer vorgesetzten Verlangen tats Mitarbeiter sich vom Rassismus in der eigenen Zeitung distanzieren oder die Zeitbelegschaft eine Rückkehr zu journalistischen Standards fordert – die Selbstaufgabe der vierten Gewalt!

00:29:37: Die kollektive Verantwortungslosigkeit in deutschen Redaktionen irritiert umso mehr, ist Verantwortung doch ein zentraler Begriff im Selbstverständnis von Journalismus.

00:29:48: Journalismus ist mehr als nur zu sagen was isst.

00:29:52: Medien haben eine gesellschaftliche Funktion Missstände öffentlich machen die mächtigen kontrollieren Öffentliche Meinungsbildung und damit demokratische Willensbildung ermöglichen.

00:30:02: Doch auch in seiner Rolle als vierte Gewalt ist der deutsche Journalismus seit dem siebten Oktober weitgehend gescheitert.

00:30:10: Was wäre geschehen, wenn Deutsche Medien versucht hätten nach dem sieben Oktober der breit dokumentierten Realität in Gaza gerecht zu werden anstatt sich im engen Rahmen von deutscher Staatsreson und israelischer Kriegspropaganda zu fügen?

00:30:25: Wie lange hätten die deutsche Bundesregierung ihre bedingungslose Unterstützung Israels aufrechterhalten können Wenn Medien der deutschen Öffentlichkeit das wahre Ausmaß von Israels Gewalt in Gaza, Libanon und anderen Orten der Region vermittelt hätten?

00:30:40: Wie viele Menschen hätten noch leben können wenn Redaktionen ihre Berichterstattung an den Erkenntnissen von Reportern vor Ort, Menschenrechtlerinnen- und Genozidforschern statt an den Behauptungen von Israels Armee ausgerichtet hätten.

00:30:53: All das bleibt Spekulation!

00:30:55: Sicher ist... Deutsche Leitmedien haben nicht nur einseitig und irreführend über Israels Angriffskriege, den Genozid in Gaza berichtet.

00:31:04: Sie haben selbst eine tödliche Rolle in ihm gespielt!

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