»Disney Adults« sind ein lukratives Geschäftsmodell – von Ryan Zickgraf

Shownotes

Von Labubu über KPop Demon Hunters bis hin zu niedlichen Handy-Games: Einst an Kinder gerichtete Angebote erreichen immer mehr Erwachsene. Besonders Disney hat eine Maschinerie aufgebaut, die Nostalgie systematisch in Profit verwandelt.

Artikel vom 17. Mai 2026: https://jacobin.de/artikel/disney-adults-labubu-schulden-usa

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00:00:26: Disney Adults sind ein lukratives Geschäftsmodell Von Labubu über K-Pop Demon Hunters bis hin zu niedlichen Handygames.

00:00:36: Einst an Kindergerichtete Angebote erreichen immer mehr Erwachsene.

00:00:40: Besonders Disney hat eine Maschinerie aufgebaut, die Nostalgie systematisch in Profit verwandelt.

00:00:47: von Ryan Ziggraff Übersetzung von Tim Steins.

00:00:53: Anfang Mai veröffentlichte der New Yorker einen ebenso faszinierenden wie deprimierenden Artikel über Disney Adults.

00:01:00: erwachsene Männer und Frauen in den USA die wie Peter Pan nicht erwachsen werden wollen, sich mit Werf in den Disney-Konsummodus stürzen.

00:01:08: Vor Freude über den Trailer zum albernen neuen Baby Yoda Film ausflippen und es kaum erwarten können, Achtzig Dollar für einen leuchtenden Star Wars Popcorn einmal auszugeben.

00:01:18: Die düstere Seite dieser zunächst lustig erscheinenden Geschichten.

00:01:22: Viele Disney-Adults ruinieren sich finanziell für die Pilgerfahrten in ihr Mecca.

00:01:27: Reisen nach Disney World oder Disneyland sind bekanntlich sehr teuer.

00:01:31: Laut Erhebungen leit sich fast die Hälfte der Eltern, die einen solchen Ausflug planen Geld um die Reise zu finanzieren.

00:01:39: Ein Paar machte Schlagzeilen weil es Berichten zufolge da lehnen von rund siebzig tausend Dollar Aufnahmen um damit unter anderem Disney Trips zu bezahlen.

00:01:49: ein anderer Fan verschuldete sich mit siebzehntausend Dollar um in fünf Jahren zehn Disney World Besuche zu machen.

00:01:55: das Internet reagierte auf den New Yorker Artikel Mit einer vorhersehbaren Mischung aus Entsetzen und Spott.

00:02:02: Wer sind diese Riesenbabys, die sich finanziell ruinieren?

00:02:05: Um für einen fünfzehn Dollar einmal Galactic Fries in der Schlange zu stehen?

00:02:09: Darauf gibt es keine sonderlich würdige Antwort.

00:02:13: Sich für eine Woche inszenierter Glücksseligkeit in einem Freizeitpark fünfstellige Schulden aufzubürden ist auf den ersten Blick eine relativ schlechte Entscheidung.

00:02:22: Es mag schwer fallen, Mitgefühl für die finanzielle Notlage einzelner Disney-Adults aufzubringen.

00:02:28: Schließlich sind Erwachsene für ihre Finanzen selbst verantwortlich.

00:02:31: Es gibt keine böse Stiefmutter, die dich mit einem Fluch belegt damit du dein Geld in Disney World verschleuderst.

00:02:38: Doch der Disney-Konzern ist kein Akteur, der passiv von der kindlichen Nostalgie seiner erwachsenen Kundinnen und Kunden profitiert.

00:02:46: Vielmehr hat das Unternehmen eine Maschinerie aufgebaut um diese Nostalgianflüge zu erkennen, zu nähren, zu vermarkten und immer wieder neu zu beleben.

00:02:56: Wie?

00:02:57: Indem sich der Konzern heute explizit an die Wohlhabenden richtet und den Rest von uns durch eine gewisse Form des Klassenneits dazu bringt, noch mehr von unserem hart verdienten Geld bei Disney auszugeben.

00:03:09: Im Großteil des zwanzigsten Jahrhunderts funktionierten Vergnügungsparks wie die Disney-Anlagen nach einem mehr oder weniger egalitären Prinzip – Ticket kaufen, anstellen, Achterbahn fahren!

00:03:22: Die Warteschlange war die große Gleichmacherin.

00:03:24: Die reiche Sipschaft und die Arbeiterfamilie zahlten denselben Eintrittspreis und warteten dieselben fünfundvierzig Minuten um Space Mountain zu erleben.

00:03:33: Inzwischen hat Disney aber ein System geschaffen, bei dem ein wirklich guter Parkbesuch den Kauf eines Zugangs zur guten Version der Parks erfordert.

00:03:42: In konkreten Zahlen stellt sich dies so dar... der zwischen onehundertundzwanzig und vierhundertneunundvierzig Dollar pro Person und Tag kostet.

00:04:04: Zusätzlich zum ohnehin schon hohen regulären Eintrittspreis.

00:04:09: Fans des Systems verstehen es als eine Möglichkeit, zum wartisch langen Skipping für das oberste ein Prozent.

00:04:15: Die Disneyland-Aufenthalte der Reichen und die der Armen unterscheiden sich daher heute voneinander.

00:04:21: Es entsteht Druck mehr Geld für die Extrapässe auszugeben.

00:04:25: Man muss sich nur das Gesicht des eigenen Kindes vorstellen wenn man erklärt Nein, wir nehmen nicht den Premier Pass.

00:04:32: Wir warten in der normalen Schlange mit den normalen

00:04:34: Leuten.".

00:04:35: Dort kann der Nachwuchs direkt miterleben was mit Klassenunterschied gemeint ist.

00:04:40: Selbst wenn die Besucherzahlen an sich nicht steigen streicht Disney höhere Profite ein weil die pro Kopf Ausgaben der Gäste zunehmen VIP Führungen, Premium Restaurants und den verschiedenen Warteschlangen Pessen sei dank.

00:04:55: So erzielte der Disney-Konzern mit den Experiences in seinem Portfolio Freizeitparks, Kreuzfahrten, Resorthotels.

00:05:03: Im zweiten Geschäftsquartal einen Rekordumsatz von fast neun Komma fünf Milliarden Dollar.

00:05:09: Das war ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

00:05:12: Die Aktie legte im Zuge dieser Nachricht ebenfalls rund Sieben Prozent zu.

00:05:17: Disney's Ziele gehen über die Tore der Erlebnisparks hinaus.

00:05:20: Der neue CEO des Unternehmens ist Josh Damaro Der wie eine Quelle den Wall Street Journal sagte sich voll und ganz darauf konzentrieren will den größtmöglichen Value von der Kundschaft zu erhalten.

00:05:33: Ihnen also möglichst effektiv Geld aus den Taschen zu ziehen!

00:05:37: Damaro wünscht sich die Entwicklung einer von Insidern sogenannten Super-App, eine zentrale Plattform auf der Disney Plus mit Apps wie der des Disneyland Resorts und dem Disney Cruise Line Navigator zu einem einzigen Portal zusammengeführt wird.

00:05:50: Die User sollen in dieser App sowohl Park Tickets buchen, Merchandise kaufen, Games spielen als auch Filme schauen.

00:05:57: Ziel ist ein geschlossenes System, in dem Streaming-Inhalte, Reservierungen für Freizeitparks, T-Shirtkäufe und Videospiele alle über einen einzigen von Disney kontrollierten Kanal laufen.

00:06:10: Jedes Element soll die anderen verstärken – keines davon führt nach außerhalb des firmeneigenden Ökosystems!

00:06:16: Du schaust dir den Film an, besuchst seine Helden im Park, kaufst das Spielzeug zum Streifen Aber das Metaverse als Idee, ein Unternehmen, ein Ökosystem keine Austrittsmöglichkeiten floriert.

00:06:35: Und?

00:06:36: Im Gegensatz zu Metas ursprünglicher Vision gibt es in Disney's Metaverse keine klaren Grenzen zwischen physischer und virtueller Welt.

00:06:45: Das kann dazu führen dass erwachsene Disney-Fans irgendwann nicht einmal mehr das Haus verlassen müssen um sich leibhaftig voll und ganz mit ihrem Lieblingskonzern zu verbinden.

00:06:55: Sie können einfach ganzjährig in einer Stadt des Unternehmens leben.

00:06:59: Schon heute lassen sich für ein bis zwei Millionen Dollar großzügig geschnittene Häuser in Cotino kaufen, einer sechshundertachzehn Hektar großen bewachten Wohnanlage in Rancho Mirage im US-Bundesstaat Kalifornien.

00:07:13: Es ist das erste Bauprojekt im Rahmen von Disney's Story Living.

00:07:17: An mehreren Orten in den Vereinigten Staaten sind derartige Disney-Siedlungen in Planung.

00:07:23: Dort kann man dann Ganzheitliche Wellnesskurse besuchen.

00:07:26: Beispielsweise im Clubhaus, Mitgliedschaft, zwanzigtausend Dollar pro Jahr – das dem Heim der Familie Paar aus die unglaublichen Zweinach empfunden ist.

00:07:35: Mit Cotino entsteht eine Seniorenwohnanlage für wohlhabende Babyboomer, die offensichtlich den Wunsch haben, der Realität erfolgreich zu entfliehen und in einer konstruierten Fantasiewelt zu leben — ganz ähnlich wie die Millennials, die sich für Freizeitparkbesuche mit zehntausenden Dollar verschulden.

00:07:52: Disneyfreuz Der Konzern profitiert nur allzu gern von diesen Menschen.

00:07:59: Kindische Erwachsene Die Dauerkindheit, von der Wiege bis zur Bare ist kein reines Disney-Phänomen.

00:08:06: Im frühen, einundzwanzigsten Jahrhundert wurde lange festgestellt die US-amerikanische Popkultur sei irgendwie in der Pubertät stecken geblieben.

00:08:15: Comic-Adaptionen eroberten Hollywood Twilight und Hunger Games dominierten in der erwachsenen Literatur.

00:08:22: Zu einem zentralen Bezugspunkt für Popkulturdiskussionen wurde Star Wars die Geschichte über einen auserwählten Jungen mit einem magischen Schwert.

00:08:31: Vermutlich nur noch übertroffen von Harry Potter, der Geschichte über Einen Auserwälten-Jungen Mit einem Magischen Zauberstab.

00:08:39: Nun stellt sich heraus dass dieser Adoleszenzfokus nicht das Ende der Fahnenstange war.

00:08:45: In den vergangenen Jahren haben wir uns auf der Entwicklungsleiter weiter zurück bewegt vom pubertierenden Teenager hin zum glückseligen Kleinkind.

00:08:53: Niedliche Spiele Mit ebenso geringem Risiko wie Aufwand, in Pastellfarben und mit Zielen wie der Pfleger eines kleinen virtuellen Gartens haben sich zu einer riesigen Games-Kategorie entwickelt.

00:09:05: Labubus – die teuren Plüschfiguren mit Monstergesichtern – wurden im Jahr für den USA unerklärlicherweise zum Statussymbol.

00:09:15: Ebenso waren die Kinos im vergangenen Jahr voller erwachsener Männer und Frauen, die zu den Songs von Kpop Demon Hunters mitsangten.

00:09:22: Diese Entwicklung ist inzwischen soweit vorangeschritten, dass Marketingfachleute eine neue Verbraucherbezeichnung geschaffen haben.

00:09:31: Den sogenannten KIDOLT – ein Kofferwort aus Kid und Adolt.

00:09:36: Zum ersten Mal in der US-amerikanischen Geschichte waren die Spielzeugverkäufe an Erwachsene, die dieses für sich selbst erwarben höher als die Spielzeugverkäuve für Vorschulkinder.

00:09:46: KIDALTS machen mittlerweile auch mit den U.S.A Das Auge von Sauron des Marktes hat sich voll und ganz auf sie gerichtet.

00:09:59: Das Phänomen soll aktiv gefördert, und weitere Profite daraus geschlagen werden.

00:10:04: Offenbar sind die Disney-Adults dabei nur die Spitze des Eisbergs.

00:10:08: In Simulacres et Simulation schrieb der französische Philosoph Jean Baudrillard I., Disneyland werde als Fiktion präsentiert um uns glauben zu machen, der Rest sei real!

00:10:19: Doch die Behauptung, Disney sei Fiktionen ist längst überholt.

00:10:23: Die Scheidewand zwischen Realität und Fantasie löst sich zusehends auf.

00:10:28: Heute kann man ein komplettes Disney-Leben führen, inklusive Kreuzfahrt, Fanartikeln eine am Reisbrett entworfenen Modellstadt und einer algoritmischen App die all das vermittelt und verknüpft.

00:10:40: Zeitgleich sind die USA und ihre Gesellschaft immer disneyhafter geworden sentimental inszeniert markenorientiert überwacht und durchleuchtet sowie natürlich übertäuert.

00:10:53: Das Erwachsenenleben in Amerika wurde nach und nach seiner einstigen Vorzüge beraubt.

00:10:58: Feste Jobs, bezahlbarer Wohnraum, enge lokale Communities für die man kein monatliches Abonnement braucht.

00:11:05: In dieses Vakuum drängt sich der artificielle Zauber von Disney und anderen, der immerhin zuverlässig und mit den meisten gängigen Kreditkarten verfügbar ist.

00:11:14: Letztendlich hat Disney das Erwachsensein nicht ausgehöhlt sondern viel mehr bemerkt dass es bereits verschwunden ist.

00:11:21: Jetzt baut das Unternehmen immer bessere Fallen und Netze, in denen die Kundschaft sich verfangen und noch mehr Geld ausgeben soll.

00:11:28: Und wie in allen Königreichen gilt auch im Magic Kingdom – wer kein König ist, ist höchstwahrscheinlich live eigener!

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