Musk ist der Ford unserer Zeit – von Timo Daum

Shownotes

Elon Musk mag auf rechtsextremen Abwegen unterwegs sein. Aber das war der Antisemit Henry Ford auch. Und so wie der Fordismus nichtsdestotrotz Epoche gemacht hat, muss man auch die Innovationen des Teslismus ernst nehmen.

Artikel vom 04. Mai 2026: https://jacobin.de/artikel/elon-musk-tesla-henry-ford-faschismus-innovation

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Transkript anzeigen

00:00:00: Maske ist der

00:00:00: Fort unserer Zeit.

00:00:03: Elon Musk mag auf rechtsextremen Abwägen unterwegs

00:00:06: sein, aber das

00:00:07: war der Antisemiet.

00:00:08: Henry Ford auch.

00:00:09: und so wie der Fordismus nichtsdestotrotz Epoche gemacht hat muss man die Innovationen des Teslismus ernst nehmen.

00:00:17: Von Timo Daum

00:00:20: Die vielleicht wichtigste Entwicklung des Jahres zweitausendfünfundzwanzig.

00:00:24: Der Schulterschluss von Silicon Valley, Big Tech

00:00:27: und Donald Trumps

00:00:28: Projekt der Faschisierung Kondensierte eindrücklich in Elon Musk's Hitlergruß.

00:00:34: Der vermutlich meistgehasste Mensch des Planeten steht gleichzeitig mit Tesla, Starlink und SpaceX

00:00:40: drei Unternehmen

00:00:41: vor die zur technologischen Weltspitze in ihren Bereichen gehören – Batterie-Elektrische Verkehrsmittel,

00:00:47: Satelliten

00:00:47: gestütztes Internet und wiederverwendbare Weltraumfahrzeuge.

00:00:51: In diesen beiden

00:00:52: Extremen ähnelt er einem Industriellen aus dem zwanzigsten Jahrhundert, der als ausgesprochener Rassist und Schinder berüchtigt

00:00:58: gleichzeitig

00:00:59: aber einer der erfolgreichsten Autounternehmer der Geschichte war.

00:01:03: Und nach dessen

00:01:03: Produktionsideen eine ganze Ära beziehungsweise ein sozioökonomisches Modell benannt ist.

00:01:09: Die Rede ist von Henry

00:01:10: Ford.

00:01:11: die Parallele zwischen den Beiden geht über ihre politischen Ansichten hinaus.

00:01:16: Musk führt nicht nur das am höchsten bewertete Auto Unternehmen der Welt

00:01:20: und besitzt es auch

00:01:21: zu großen Teilen.

00:01:22: Bei Tesla ist

00:01:23: auch ein Playbook für die Herstellung von Elektroautos entwickelt worden, das als Industriestandard Nachahmer in der Branche findet.

00:01:31: Insofern kann sogar von einem Tesla-Produktionssystem gesprochen werden.

00:01:35: Henry Ford war ein veritable Judenhasser –

00:01:37: sein nineteenhundertzwanzig

00:01:39: erschienenes Buch The International Jew wurde schnell zum Bestseller.

00:01:43: Bereits zwei Jahre später erschien das Machwerk auch in Deutschland.

00:01:46: Dass Adolf Hitler dieses Buch und seinen Autor hochschätzte, kann daher nicht überraschen.

00:01:51: Er hatte Ford schon in mein Kampf lobend erwähnt.

00:01:54: Der internationale Jude stand auch auf einer Liste mit Lektürempfehlungen für Neumitglieder der NSD-APN.

00:02:00: Fort war eine in der damaligen Zeit verbreitete Ansicht

00:02:04: gegen die Juden

00:02:05: weil diese für einen raffenden Kapitalismus standen.

00:02:08: Seine Skepsis gegenüber der Wall Street drückte er so aus Wir sind nicht dagegen Geld zu borgen Und wir sind auch nicht gegen die Bankiers.

00:02:16: Wir sind nur gegen

00:02:17: den Versuch, Geldanleihen anstelle der Arbeit zu setzen.

00:02:21: Solche Vorstellungen

00:02:22: eines Gegensatzes von schaffendem und raffendm Kapital waren zu jener Zeit weit verbreitet.

00:02:27: Im Kern

00:02:27: ging es bei Ford um eine – heute würden wir sagen –

00:02:31: Sozialpartnerschaft

00:02:32: zwischen Kapital- und Arbeit Denn…der

00:02:35: fleißige

00:02:35: Arbeiter ist der Partner des fleißigen Arbeitgebers.

00:02:39: Zwar revidierte Ford in späteren Jahren erfreulicherweise einen Teil seiner antisemitischen Äußerungen.

00:02:44: Doch der Begeisterung der Nazis für Ford tat das keinen Abbruch.

00:02:49: Deren Fortbegeisterungen hatte in erster Linie einen anderen Grund, als dessen Judenhass.

00:02:54: Sie teilten Fords Ziel der Massenmotorisierung.

00:02:57: Henry Ford's Playbook für die Massen-Motorisierung!

00:03:02: Henry Ford

00:03:02: ist einer der bekanntesten Industriellen des zwanzigsten Jahrhunderts.

00:03:14: Seinen Businessplan

00:03:15: ließ Ford von seinem Biografen im Jahr nineteenhundertzweiundzwanzig so formulieren, ich beabsichtige ein Auto für die Masse zu bauen.

00:03:23: Es wird groß genug

00:03:24: sein um die Familie mitzunehmen aber klein genug dass ein einzelner Mann es lenken und versorgen kann!

00:03:30: Es wird

00:03:30: aus dem allerbesten Material gebaut von den allerbestem Arbeitskräften gefertigt und nach den einfachsten Methoden die die moderne Technik zur Ersinnenvermarkt

00:03:39: gebaut seien.

00:03:41: Trotzdem wird der Preis so niedrig gehalten werden, dass jeder, der ein anständiges Gehalt verdient sich ein Auto leisten kann um mit seiner Familie den Segen der Erholung in Gottes freier reiner Luft zu genießen.

00:03:53: Forts Rezeptur bestand in erster Linie aus folgenden Zutaten Die Einführung von Fließbändern in der Autoproduktion die Übernahme von Frederick W. Taylors wissenschaftlichem

00:04:03: Management

00:04:04: als Prinzip der Produktionsorganisation

00:04:07: und eine weitgehende

00:04:07: Standardisierung seiner Produkte.

00:04:10: Im April, die erste bewegliche Montagebahn führte ein.

00:04:15: Abgeschaut hatte er sich das bei den industriellen Schlachtbetrieben, die schon Bertolt Brecht zu seinem Werk, die heilige Johanna der Schlachthöfe inspiriert hatten.

00:04:24: Taylors Methoden zu übernehmen war wiederum der Garant für eine bis dato unbekannte Produktivitätssteigerung.

00:04:30: In den Worten von Ford

00:04:31: selbst Die früher gleichfalls nur von einem Arbeiter verrichtete Zusammensetzung des Motors zerfällt heute in forty-eight Einzelarbeitsgänge

00:04:40: und die betreffenden Arbeiter

00:04:41: leisten das Dreifache.

00:04:43: Ford produzierte zeitweise nur ein einziges Modell, so zum Beispiel im Jahr nineteenhundertfünfzehn, während etwa Daimler zur gleichen Zeit siebenundfünfzig verschiedene handgefertigte Modelle im Portfolio hatte.

00:04:56: Gleichzeitig strebte Ford eine hohe vertikale Integration an.

00:05:00: Im Gegensatz

00:05:01: zu heute üblichen Auslagerungen von Komponenten an Zulieferer wurde bei Ford selbst die Herstellung einfachster Teile wie Schrauben- und Bolzeninhaus erledigt.

00:05:10: Sogar das Holz wird in unseren eigenen Wäldern geschlagen.

00:05:13: Das führte zu einer langen unternehmensinternen Wertschöpfungskette.

00:05:17: Schließlich war, was weniger bekannt ist

00:05:20: der Bruch mit Branchentraditionen

00:05:21: zentral für Henry Ford's Rezeptbuch der automobilen Massenherstellung.

00:05:25: Ford wollte jedes Teil anfassen und neu konzipieren anstatt in der Branche übliche beste Fabrikationsmethoden als gegeben zu akzeptieren bzw einfach zu übernehmen.

00:05:37: Ford sollte sein Ziel, das Auto aus einem in der Manufaktur gebauten Luxusgut in ein industriell gefertigtes Massenprodukt zu verwandeln tatsächlich erreichen.

00:06:04: Ford war der erste Autohersteller, dem eine solche Skalierung gelang.

00:06:08: Massenmotorisierung und Volksgemeinschaft.

00:06:12: Die Nazis wollten Fords Programm der Massen-Motorisierung ebenfalls umsetzen.

00:06:17: Adolf Hitler äußerte Ninzehundertfünfundzwanzig

00:06:20: Er sei ein

00:06:20: großer Bewunderer von Ford

00:06:22: Und werde sein

00:06:23: Bestes tun Um seine Theorien in Deutschland In die Praxis umzusetzen.

00:06:27: Was laut dem Historiker Stefan Link die Deutschen am meisten beeindruckte, war die präzise Koordination, die den Produktionsprozess in ein System unzähliger, ineinandergreifender Produktionslinien synchronisierte – wie die Deutschen sagten.

00:06:44: Auch der Volkswagen ist eine Idee Adolf Hitler's!

00:06:47: Er sollte für eine deutsche Durchschnittsfamilie leistbar sein und nicht mehr als einen Tausend Reichsmarktkosten und Platz für vier Personen

00:06:53: haben.".

00:06:55: Der Mobilitätsforscher Andreas Knie schreibt dazu, die Nationalsozialisten setzten zukünftig auf das Auto als zentrales Verkehrsmittel und begründeten daraus vor allen Dingen ein sozialpolitisches Programm.

00:07:07: Die Arbeiterklasse sollte mit dem faschistischen Staat durch Teilhabe an der technisch-sozialen Moderne versöhnt werden.

00:07:13: Mit der deutschen

00:07:14: Autoindustrie war so ein Programm allerdings nicht umzusetzen.

00:07:18: Deren Vertreter hielten das Auto für ein Luxusprodukt, dass am besten von Hand zu fertigen sei.

00:07:24: Daraufhin beauftragte Hitler-Ferdinand Porsche ein solches Fahrzeug für die Massen zu entwerfen.

00:07:30: Der Volkswagen Käfer war geboren, auch das entsprechende Unternehmen Volkswagen mussten die Nazis selber gründen.

00:07:37: nineteenhundertsiebenunddreißig

00:07:39: wird Volkswagen mit Regierungskapital insbesondere dem konfizierten Vermögen der Gewerkschaften aus der Weimarer Zeit gegründet.

00:07:47: Ferdinando Porsche reiste neunzehnhundertsieben und dreißig mit dem Auftrag nach Detroit Personal und Know-how für das Volkswagenwerk zu ergattern.

00:07:55: Auch für das Volkswagenwerk in Wolfsburg lieferte Ford die Blaupause, der Entwurf stammte von dem deutschamerikaner Fritz Kunze, ehemaliger Chefingenieur des Kraftwerks im Forts River Rouge Fabrik.

00:08:07: am sechsohnzwanzigsten Mai nineteenhundertdachunddreißig erfolgte die Grundsteinlegung für das bis heute größte Automobilwerk Europas durch Adolf Hitler persönlich.

00:08:17: Im gleichen Jahr verlieh der Nazi-Führer Henry Ford das Großkreuz des obersten deutschen Adlerordens.

00:08:24: Ford schien für

00:08:24: jeden etwas zu bieten,

00:08:26: Arbeitgeber

00:08:26: suchten die Rationalisierung des Fordismus,

00:08:29: Gewerkschaften

00:08:30: die hohen Löhne bei Ford und Konservative das Versprechen des Fordismus auf soziale Harmonie –

00:08:35: so Link.

00:08:37: Dabei war Ford alles andere als ein grundgütiger Wohltäter eher ein Despot.

00:08:45: Mussolini of Highland Park.

00:08:48: Dessen Service-Department,

00:08:49: eine private Sicherheitsgruppe ging gewaltsam gegen Gewerkschafter und Demonstranten vor.

00:08:55: Die Truppe bekam Mitte der Dreißigerjahre inoffiziell den Beinamen Forz Gestapo.

00:09:00: Trotzdem gilt der Fordismus insbesondere die dreißig glorreichen Jahre des Nachkriegskonsumkapitalismus seit den nineteenhundertfünfziger Jahren

00:09:09: bis weit

00:09:10: in die Linke hinein als positiver Bezugspunkt dem nachgetrauert wird.

00:09:15: Bis heute genießt

00:09:16: die deutsche Autoindustrie quasi Immunität.

00:09:18: Gerade hier gilt sie weiterhin als Rückgrat der Industrieproduktion und Garant für

00:09:23: Wohlstand.

00:09:24: Aufgrund ihres hohen, gewerkschaftlichen Organisationsgrades wirkt er fossile Klassenkompromiss der Nachkriegszeit

00:09:30: bis in gegenwärtige

00:09:31: politische Positionen der Industriegewerkschaft nach.

00:09:35: Forz flirt

00:09:36: mit den Nazis, sein Judenhass – die absolute Kompatibilität seines Produktionsmodells mit dem Faschismus in Italien und dem NS-Regime in Deutschland wird dabei gerne vergessen.

00:09:47: nineteenhundertfünfundvierzig

00:09:48: hatten ehemalige Zwangsarbeiter, zumeist Kriegsgefangene noch versucht das Volkswagenwerk in Wolfsburg niederzubrennen

00:09:56: was von den

00:09:56: alliierten Besatzungsmächten verhindert wurde die in der Nachkriegszeit dafür sorgten dass Hitlers Wunsch in Erfüllung gehen sollte Die massenhafte Motorisierung des deutschen Volks Tesla als fortes Elektrozeitalters.

00:10:11: Ziemlich genau einhundert Jahre nach Ford wurde Tesla gegründet.

00:10:15: Bei Tesla handelt

00:10:16: es sich um die erste erfolgreiche Neugründung eines Automobilherstellers in den Vereinigten Staaten, seit der Ford Motor Company im Jahr nineteen hundert drei bis zwei tausend fünfundzwanzig war Tesla der größte Elektroauto Hersteller der Welt

00:10:30: bevor

00:10:30: er gemessen an Produktionszahlen vom chinesischen Unternehmen BYD überholt wurde.

00:10:37: Tesla spielte für

00:10:38: den Durchbruch von Elektroautos auf dem Massenmarkt eine ähnliche Rolle wie Ford, für denjenigen des fossilbetriebenen Automobils im zwanzigsten Jahrhundert.

00:10:47: Kein Hersteller vor Tesla war in der Lage, standardisierte Elektrofahrzeuge herzustellen – geschweige denn einen rationalisierten Produktionsprozess wie Ford zu etabliern!

00:10:57: Zwei Ingenieure in Kalifornien hatten Tesla three-thausend drei gegründet.

00:11:01: Im Jahr darauf stieg Elon Musk als Finanzier ein der neben frühen Mitarbeitern wie JB Straubel und

00:11:07: Ian Wright

00:11:08: mittlerweile als Mitgründer des Unternehmens gilt.

00:11:11: Elon Musk wurde schnell zur maßgeblichen Figur in der dreiundzwanzigjährigen Geschichte von Tesla durchaus vergleichbar mit derjenigen Henry Ford's gut ein Jahrhundert zuvor.

00:11:21: hier irrt übrigens

00:11:21: Quinn Slobodian wenn er meint, Musk hat weder Tesla gegründet noch war er an der technischen Entwicklung der E-Autos beteiligt.

00:11:29: Tesla ist für die Branche ganz untypisch

00:11:32: ein Eigentümer

00:11:33: getriebenes Unternehmen.

00:11:35: Ulrich Jürgens, Experte für Produktionssysteme in der Autoindustrie

00:11:39: gesteht

00:11:39: Elon Musk eine zentrale Rolle bei der Entwicklung Teslas zu – Tesla sei gar ein muskdefiniertes Unternehmen!

00:11:46: Musk, der einen Physik- und VWL-Studium abgeschlossen hat ist auch kein typischer Stanfordabbrecher wie viele andere Tech Bros im Silicon Valley.

00:11:55: Auch hat Musk von Beginn an in die technischen Belange eingegriffen.

00:11:59: Zentrale Weichenstellungen vom Design von Fahrzeugen und Komponenten

00:12:03: bis hin zu wesentlichen

00:12:04: Features wie Over

00:12:05: the Air

00:12:06: Updates,

00:12:07: OTA,

00:12:08: dem Verzicht auf Lidersensoren für das autonome Fahren sind auf seine Initiative erfolgt.

00:12:13: Auch die Fahrzeugkonzepte von Cybertruck & Cybercap- und Produktionsverfahren – wie Gigacasting und Unboxing – gehen auf Ideen von Musk zurück.

00:12:22: Tesla ist zwar auch ein Autohersteller

00:12:25: in erster Linie

00:12:25: aber ein Techunternehmen aus dem Silicon Valley!

00:12:28: Die beiden auf die Autoindustrie spezialisierten Soziologen Andreas Boss und Alexander Ziegler

00:12:34: sehen Tesla

00:12:34: daher als digitalkapitalistisches Unternehmen aus dem Silicon Valley, das den Automobilbau mit den neuen Geschäftsmodellen der Internetunternehmen betreibt.

00:12:44: Methoden aus der Softwareentwicklung

00:12:46: fanden ihren Weg nicht nur in die Geschäftsführung sondern auch in die Bereiche Entwicklung und Produktion.

00:12:52: kleine Teams kontinuierliche Entwicklung kurz getaktete Versionierung

00:12:57: hinzukommen Für die Autoindustrie

00:12:59: Unkonventionelle, in der Softwarebranche jedoch Gängige praktiken wie die Auslieferung unfertiger Beta-Versionen.

00:13:07: Alle paar Monate wird ein Major Release gelauncht.

00:13:10: Deshalb gibt

00:13:11: es bei Tesla keine Modelljahre für Fahrzeuge.

00:13:14: Diese Liquid Specifications führen zu unterschiedlichen Autos der gleichen Marke und des gleichen Modells.

00:13:20: Dies stellt das deutlichste Merkmal im Gegensatz zum Toyota-Produktionssystem der Lean Production dar, dass auf feste Spezifikationen abzielt.

00:13:29: Entwicklungsmethoden aus der Softwareentwicklung eingeführt zu haben gehört zur Teslas Neuformulierung des Drehbuches für die Automobilproduktion.

00:13:38: Kontinuierliche Innovation ist nach Bose und Ziegler bei Tesla auch organisatorisch realisiert – Die Organisation wird auf dieser Grundlage auf eine Kultur der Disruption in Permanenz hingetrimmt.

00:13:49: Tesla ist ein Digitalkonzern, der nicht nur Autos baut, sondern auch mit seinem Netz an Ladestationen als elektrischer Systemanbieter auftritt.

00:13:58: Auch Batterien, Batteriespeicher

00:14:00: und neuerdings

00:14:01: humanoide Roboter gehören dazu – kein traditioneller Autohersteller käme jemals auf solche Ideen!

00:14:07: Wie fort.

00:14:08: setzt

00:14:08: auch Tesla entgegen dem allgemeinen Trend in der Autoindustrie auf eine ausgedehnte In-Hausproduktion von Schlüsselkomponenten wie Batterien und Software?

00:14:18: Die vertikale Integration, also die Länge der Wertschöpfungskette ist bei Tesla im Vergleich zu den konventionellen Autoherstellern viel ausgeprägter.

00:14:27: Das Rezept – nur ein Modell pro Fabrik wird in sehr großen Produktionsanlagen mit hoher vertikaler Integration möglichst hoch automatisiert gefertigt.

00:14:37: Zudem sind Teslas

00:14:38: Fahrzeuge nur in vergleichsweise wenigen Lack- und Ausstattungsvarianten zu haben was die Komplexität der Fertigung reduziert.

00:14:45: Das Unternehmen

00:14:46: versucht mit einer möglichst kleinen Modellpalette den gesamten Weltmarkt abzudecken.

00:14:51: In diesen Punkten

00:14:52: ähnelt Tesla fort, so der Ex-Audiforstand und Buchautor Peter Mertens.

00:14:57: In Sachen vertikaler

00:14:58: Integration verfolgt Pionier Tesla heute die gleiche Strategie wie Pioniere Ford vor einhundert Jahren.

00:15:04: Dazu kommt ein ungewöhnlich hoher Anteil lokal bzw im Inland produzierter oder gelieferter Teile.

00:15:11: Dieser hohe Grad an Lokalisierung macht das Unternehmen weniger vulnerable, zum Beispiel in transatlantischen Handelskonflikten.

00:15:18: Die Produktionsstätten in Shanghai, Grünheide und Austin

00:15:21: zählen zu den größten

00:15:22: der Welt – und sie sind auf dem Greenfield errichtet, also ohne auf existierende Infrastrukturen oder Vorgänger aufzubauen.

00:15:30: Mit diesen

00:15:30: Charakteristika unterscheiden Sie sich stark von den vergleichsweise kleinen Montagefabriken

00:15:35: die auf Just-in-Time-Anlieferung

00:15:36: von Zulieferern setzten bislang das Standardmodell im Rahmen des Lean-Production-Paradigmas.

00:15:42: Auch im eigentlichen Kernbereich des Autobaus setzt Tesla neue Maßstäbe.

00:15:46: Durch die Einführung von Großguss, Gigacasting – also dem Gießen besonders großer Karosserieteile – beschritt Tesla zusammen mit dem italienischen Maschinenbauer Idra Neuland.

00:15:58: Beim twentyfünfundzwanzigrund erneuerten Model X in konnte Tesla eine Gewichtseinsparung von elf Prozent und eine um die Hälfte reduzierte Bearbeitungszeit verzeichnen.

00:16:08: Die Dauer des Produktionszyklus konnte von einhundertsebzig auf siebzig Sekunden verringert werden.

00:16:14: Neofordismus

00:16:15: oder experimenteller Autoritarismus

00:16:20: Bei Tesla

00:16:20: wird mit der Brechstange agiert, es gilt das Prinzip Der First Principles.

00:16:25: Damit ist gemeint dass außer den Naturgesetzen beziehungsweise den Grenzen der physikalischen Realität keine Regeln gelten.

00:16:33: Branchen Traditionen und der Stand der Technik spielen anders als in der etablierten Industrie kaum eine Rolle.

00:16:39: ebenfalls eine Remineszenz an.

00:16:40: Ford.

00:16:41: Jürgens sieht hier jedoch einen markanten Unterschied, anders als bei Ford setzt man in hohem Maße auf neuartige bisher unerprobte Fertigungsverfahren und Technologien.

00:16:52: Tesla betrachtet selbst die Produktion als Experimentierfeld und testet ständig neues direkt an der Produktionslinie.

00:16:59: Dies geschieht auf dem Rücken der Beschäftigten.

00:17:02: Die Folgen sind hoher Leistungsdruck, hohe personelle Fluktuationen und regelmäßige Entlassungen.

00:17:08: Wie Generationen früherer Fabrikarbeiter,

00:17:10: insbesondere

00:17:11: im Automobilbau klagen auch Tesla-Arbeiter über niedrige Löhne,

00:17:15: hohe Arbeitsbelastung

00:17:17: obligatorische Überstunden die zur höheren Verletzungsrate als im Branchendurchschnitt führen.

00:17:23: Können wir von einem eigenständigen Tesla Produktionssystem sprechen?

00:17:27: erleben wir eine dritte Revolution in der Automobilproduktion

00:17:30: nach Fordismus

00:17:31: und Lean Production?

00:17:33: Der schon zitierte Andreas Bois sieht tatsächlich das Aufkommen eines neuen Produktionssystems nach Taylor und Lean Production, vor allem wegen der Übertragung von Software-Entwicklungsmethoden auf die Fertigung.

00:17:45: Die Autoren Quinn Slobodian

00:17:47: und Ben Tarnoff sprechen von schlankem Fordismus, der um Elemente aus der agilen Softwareentwicklung angereichert ist.

00:17:55: Dazu gehöre eine Fail Fast Kultur wie sie Musk bei seiner Raketenfirma SpaceX extrem zur Anwendung gebracht hatte

00:18:02: inklusive

00:18:03: mutwilligem Scheitern mit zusammengeschusterten Prototypen.

00:18:07: Michael Valentin, Unternehmensberater mit Spezialisierung auf industrielle Transformationen spricht von Teslismus als einem Organisationsmodell für das vierte industriele Zeitalter.

00:18:18: auch Jürgens geht von einem spezifischen Tesla Produktionsmodell aus dass eine starke Technologieorientierung mit autoritären Strukturen verbindet.

00:18:27: Er spielt auf den Begriff des

00:18:28: Authoritarian Experimentalism

00:18:30: an, der einen autoritär geführten zugleich experimentierfreudigen Innovationsstil beschreibt.

00:18:37: Der Begriff wurde von den Wissenschaftlerinnen Jung Jae-Joo, Joon Ho-Jeong

00:18:41: und Chul-Sik Kim

00:18:42: in ihrer Untersuchung von Hyundai geprägt – er passt aber auch sehr gut zu Tesla!

00:18:48: Zwei-tausendfünfundzwanzig war das Tesla Model Y in allen relevanten Märkten, dass bestverkaufte Elektroauto wie schon in den beiden Jahren zuvor spricht für eine erfolgreiche Rezeptur.

00:18:59: Durch die Anwendung von Methoden aus der Digitalwirtschaft und einer Kultur des ständigen Ausprobierens

00:19:05: hat Elon Musk bei

00:19:06: Tesla einen Weg gefunden, wie heute E-Autos möglichst günstig und in möglichst hoher Stückzahl gebaut werden können.

00:19:13: Die Tatsache,

00:19:14: dass Elemente des Produktionssystems von Wettbewerbern insbesondere in China übernommen werden, sprechen ebenfalls dafür.

00:19:22: In Deutschland

00:19:22: wollte Herbert Dies als Chef des Volkswagen-Konzerns zwischen dem Jahr zwei Tausend achtzehn und zweitausend zwanzig Tesla in jeder Hinsicht nacheifern.

00:19:31: Insbesondere

00:19:32: chinesische Technologieunternehmen haben das von Tesla geprägte Produktions- und Innovationsmodell nicht nur übernommen sondern in zentralen Aspekten weiterentwickelt.

00:19:42: Zwar gilt Tesla als Vorreiter vertikaler Integration, doch das chinesische Unternehmen BYD hat

00:19:48: diesen Ansatz

00:19:48: nochmals auf die Spitze getrieben.

00:19:51: Während Tesla nach wie vor rund neunzig Prozent seiner Batterien von Zulieferern wie Panasonic und CATL bezieht kontrolliert BYD nahezu die gesamte Wertschöpfungskette selbst

00:20:02: inklusive

00:20:02: der Batterieherstellung.

00:20:04: ausgelagert werden laut Unternehmen lediglich Reifen- und Fenster.

00:20:08: BYD-Swerke

00:20:09: sind wie bei Tesla gigantische Greenfieldanlagen.

00:20:12: Wir haben es bei Henry Ford und Elon Musk mit zwei veritablen Unsympathen als Wirtschaftsführer zu tun.

00:20:19: Beide sind sie durch Rassismus und Nazi-Sympartien aufgefallen,

00:20:22: aber beide stehen

00:20:23: auch für die Etablierung eines genuinen Produktionsmodells.

00:20:26: Beim Vordismus ist das unbestritten – dieser hat ja nicht nur den Wohlstandskompromiss mit der Arbeiterklasse in den Industrieländern ermöglicht

00:20:34: sondern

00:20:34: auch die automobile Massenmotorisierung in die Wege geleitet.

00:20:38: Auch Musk steht für ein solches socioökonomisches System zwischen Authoritarian Experimentalism und elektrisch digitalem Playbook, für die hochautomatisierte Massenproduktion von Elektro-Autos unterüber hinaus.

00:20:51: Denn das bei Tesla

00:20:52: entwickelte Playbook findet auch in der Produktion von humanoiden Robotern, Stromspeichern und –in seinen anderen beiden Firmen Space X & Starlink– bei der Produktsion von Weltraumfahrzeugen.

00:21:07: Trotz des Schulterschlusses mit dem fossileaktionären Trumpismus verfolgt Musk nach wie vor eine Decarbonisierungsagenda.

00:21:15: Beim diesjährigen

00:21:15: Weltwirtschaftsforum in Davos

00:21:17: kündigte Musk

00:21:18: an, dass sowohl SpaceX als auch Tesla in diesem Jahrzehnt

00:21:22: jeweils ein hundert

00:21:23: Gigawatt Photovoltaikleistung pro Jahr

00:21:25: in den USA herstellen

00:21:26: sollen.

00:21:28: Es ist verständlicherweise

00:21:29: schwer auszuhalten,

00:21:30: dass der Unsympath

00:21:31: Elon Musk gleichzeitig eine Person ist die wie keine andere für technologische Entwicklungen im Kapitalismus des einundzwanzigsten Jahrhunderts steht.

00:21:39: Wir müssen wie schon bei Ford auch beim Musk diese Ambivalenz erkennen und aushalten sonst geben wir die Fähigkeit aus der Hand Tesla und Elon Musk wirklich gerecht zu werden in ihrer Bedeutung.

00:21:52: Die chinesische Führung hatte nicht umsonst Tesla den roten Teppich für die Ansiedlung in Shanghai ausgerollt.

00:21:58: Das Kalkül, die heimische Industrie dadurch zu einem rasanten Lernprozess zu zwingen ist auch durchaus aufgegangen.

00:22:05: Elon Musk ist trotz seines Bündnisses mit Trumps amerikanischem Faschismus mit Tesla Vorreiter post fossiler Technologien Anders ausgedrückt – Mit Evgeni Morozov.

00:22:16: Eine linke Gesellschaftsalternative muss Auch was Innovationen angeht Perspektivisch besser sein als der Kapitalismus.

00:22:23: Nur das bestehende,

00:22:25: den erreichten Stand der Technik besser verwalten?

00:22:27: Das reicht nicht!

00:22:29: Um den Kapitalismus zu enttronen braucht man eine alternative Vorstellung davon wie sich die Gesellschaft weiterentwickeln

00:22:36: und strukturell

00:22:37: und infrastrukturellen Neues hervorbringen kann – und zwar auf eine Weise, die sich skalieren lässt so Morozov.

00:22:44: Musk als Mars verrückt rechtsradikal-und techautoritär zu erklären.

00:22:49: Damit werden wir seiner Person und seinen Unternehmen Tesla, SpaceX, Starlink-X die er eben stark prägt nicht gerecht.

00:22:58: Die Linke macht in Bezug auf Elon Musk möglicherweise gerade den Fehler vor Abscheu und Ablehnung seiner politischen Positionen seines Agierens als Chef von Tesla und X aus den Augen zu verlieren welche immense Bedeutung Tesla für die Elektromobilität hatte – und noch immer

00:23:13: hat!

00:23:14: Mit diesem Fehler

00:23:15: spielt sie gar der deutschen Autoindustrie in die Hände die am Verbrenner festhält.

00:23:20: Dieser Beitrag ist ein Vorabdruck aus dem Buch Tesslokratie,

00:23:23: Ideologien

00:23:24: des Tech-Kapitalismus herausgegeben von Christoph Schwartal, Alexander Karschnia und Heimo Latna das im Juni in der Edition Nautilus erscheint.

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