Familienunternehmen sind nicht alle zarte Pflänzchen – von Carmen Giovanazzi
Shownotes
Die meisten Menschen denken bei »Familienunternehmen« an die Bäckerei von nebenan. In vielen Fällen verbergen sich dahinter jedoch Weltkonzerne, die durch geschickte Lobbyarbeit ihre Privilegien schützen.
Artikel vom 23. März 2026: https://jacobin.de/artikel/familienunternehmen-konzerne-lobby-ungleichheit
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00:00:00: Familienunternehmen sind nicht alle zarte Pflänzchen.
00:00:04: Die meisten Menschen denken bei Familienunternehmen an die Bäckerei von nebenan.
00:00:09: In vielen Fällen verbergen sich dahinter jedoch Weltkonzerne, die durch geschickte Lobbyarbeit ihre Privilegien schützen.
00:00:16: Von Carmen Giovannazzi.
00:00:19: Die deutsche Unternehmerlandschaft ist gemeinhin bekannt für ihre Tradition der kleinen und mittleren Unternehmen Den Mittelstand Fleißiges Ehrliches Arbeiten Die oft bemühte Figur des ehrbaren Kaufmanns.
00:00:33: In Deutschland sind gute ninety-neinzig Prozent der Unternehmen KMUS, also Unternehmen mit bis zu zweihundert neunundvierzig Beschäftigten.
00:00:42: Dann gibt es eine mittlere Größe – nicht Börsennotierte, private Unternehmen darunter die sogenannten Hidden Champions, die Weltmarktspitzenprodukte herstellen.
00:00:54: Am oberen Ende gibt es kapitalmarktorientierte Unternehmen davon in Deutschland etwas unter fünfhundert.
00:01:00: Sie sind Börsennotiert am Markt handelbar und meist international ausgerichtet.
00:01:05: KMUS-und Mittelstand werden oft mit Familienunternehmen gleichgesetzt, was definitorisch nicht ganz sauber ist.
00:01:14: Ein zentrales Merkmal von Familienunternehmen ist das mindestens fünfundzwanzig Prozent des Unternehmensvermögens – also eine Sperrminorität – von der Familie gehalten wird auch über Stiftungen oder andere Vehikel.
00:01:29: Hinzu kommen oft Familienmitglieder im Aufsichtsrat oder Management.
00:01:34: Die Bezeichnung Familienunternehmen mutet nach schützenswerten, zarten Pflänzchen an.
00:01:39: In einem Panoramabeitrag wurden Menschen einmal gefragt was sie sich unter Familienunternehmen vorstellen.
00:01:46: die meisten denken an Bäckereien und kleine Betriebe.
00:01:49: in der öffentlichen Wahrnehmung wird übersehen dass es sich bei diesen Unternehmen mit unterm riesige globale Konzerne handelt die profitorientiert Wirtschaften und Milliardenumsätze erzielen.
00:02:00: Dazu zählen etwa Satorius, Henkel, Bayerstorf, Merk, VW, Porsche oder BMW.
00:02:08: Das Label Familienunternehmen ist gerade für die Einflussnahme riesiger Player günstig.
00:02:14: Neben ihrer wirtschaftlichen Schlagkraft helfen auch Lobbyorganisation wie Stiftung Familienunternehm'n und die Familienunternehmer bei der Durchsetzung von Konzerninteressen.
00:02:25: Lobbyismus ist in der deutschen Demokratie gang und gäbe.
00:02:29: Die Stiftung Familienunternehmen wird allerdings maßgeblich durch einige der größten und reichsten Unternehmen finanziert.
00:02:36: Sie nimmt bewusst Einfluss auf Gesetzgebungen wie etwa bei der Erbschaftsteuer, die in ihrer aktuellen Form Betriebsvermögen beinahe gänzlich ausspart und damit insbesondere für Unternehmenserben relevant ist.
00:02:49: Auf der Gegenseite stehen wesentlich kleinere NGOs die sich für gerechtere Finanzmärkte und faire Besteuerung einsetzen.
00:02:57: Es herrscht ein massives Ungleichgewicht in der finanziellen Ausstattung, damit in der Sichtbarkeit und Einflussnahme wie Familienunternehmen Ungleichheit befördern.
00:03:10: In unserer Studie zeigen wir das Börsennotierte Familienunternehmen gemessen an der Wertschöpfung höhere Ersparnisse haben als Nicht-Familienunternehmen.
00:03:20: Das ist gerade ob der Börsennotation bemerkenswert da es hier im Gegensatz zum Mittelstand Aktionärinnen und Aktionäre gibt, die Dividenden-und Aktienrückkäufe fordern.
00:03:32: Außerdem ist die Lohnquote im Schnitt geringer.
00:03:35: Der Anteil der Löhne an der aggregierten Wertschöpfung fällt vergleichsweise kleiner aus.
00:03:40: Zusammengenommen führt das zu deutlich mehr einbehaltenen Gewinn bei Familienunternehmen Und damit einem höheren Anteil konzentrierter Unternehmensvermögen in wenigen Händen.
00:03:50: Das verstärkt die ohnehin hohe Ungleichheit in Deutschland.
00:03:54: Gerade die Vermögensungleichheit ist maßgeblich davon beeinflusst, dass unterschiedliche Vermögensarten sehr unterschiedliche Renditen abwerfen.
00:04:04: Studien des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen das die unteren zwanzig Prozent der Bevölkerung Schulden haben oder kein Nettovermögen besitzen während die nächsten dreißig Prozent insbesondere Fahrzeuge halten.
00:04:18: Das fünftigste bis neunzigste Perzentil besitzt vor allem Immobilien deren Preise und damit Vermögenswerte stark gestiegen sind.
00:04:28: Je weiter man in der Verteilung nach oben kommt, desto größer wird der Anteil der Unternehmensvermögen – je nach Schätzungen zwischen sixundfünfzig-und achtzig Prozent!
00:04:38: Und diese werfen hohe Renditen ab.
00:04:40: Bei Aktienvermügen rechnet man jährlich und nominell im Durchschnitt mit etwa acht Prozent Rendite.
00:04:47: Autos hingegen verlieren an Wert.
00:04:50: Während die einen also viel Vermögen haben dessen Wert zudem steigt, besitzen die anderen wenig Vermögen dessen wert zudeme sinkt.
00:04:59: Die großen Börsen notierten Familienunternehmen tragen durch ihre Eigentumsstruktur und ihr Wirtschaften also besonders zur Vermögensungleichheit bei – und haben gleichzeitig eine starke politische Lobby.
00:05:10: So gibt es ein reges Interesse und politischer Einflussnahme um eine progressive Besteuerung von Vermögend zu verhindern.
00:05:18: Neben der Erbschaftssteuer gilt das insbesondere für die Vermögansteuer die es formal noch gibt, die aber seit nineteenhundertsiebenundneunzig ausgesetzt ist.
00:05:27: Unter anderem wegen der Ungleichbehandlung verschiedener Vermögenswerte.
00:05:32: Statt sie zu reformieren wurde sie faktisch abgeschafft.
00:05:35: Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände fordern eine Wiedereinführung.
00:05:40: Arbeitgeberverbände und Organisationen wie die Stiftung Familienunternehmen positionieren sich dagegen.
00:05:47: ohne Transparenz keine Demokratie.
00:05:52: auch Aus wissenschaftlicher Sicht gilt dass eine Vermögensteuer, sei sie auch noch so gering, notwendig wäre um deutlich bessere Kenntnisse über existierende Vermögens und deren Verteilung in Deutschland zu gewinnen.
00:06:05: Denn Studien basieren maßgeblich auf Befragungen- und Schätzverfahren und sind gerade bei Betriebsvermögen umso komplexer je weniger Informationen über die Unternehmen vorliegen.
00:06:19: Das betrifft insbesondere die Unternehmen, die eben nicht Börsen notiert sind und damit keine öffentlichen Preise über Unternehmenswerte verfügbar sind, aber das Groh der Unternehmen in Deutschland ausmachen.
00:06:31: Das ist ein großes Problem für Wissenschaft und Gesellschaft – weil Transparenz fehlt!
00:06:37: Eine demokratische Gesellschaft muss wissen wie Besitz verteilt ist um entscheiden zu können ,wie sie sich gestalten will.
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