Der Irankrieg führt zu mehr, nicht weniger Atomwaffen – von Emma Claire Foley
Shownotes
Einer der Vorwände für den Irankrieg lautet, die Entwicklung von Atomwaffen verhindern zu wollen. Doch die Folge des US-Angriffs dürfte im Gegenteil sein, dass immer mehr Staaten auf nukleare Abschreckung statt auf Diplomatie setzen.
Artikel vom 16. April 2026: https://jacobin.de/artikel/irankrieg-atomwaffen-abruestung-abschreckung-raketen-trump-diplomatie
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Transkript anzeigen
00:00:00: Der Iran-Krieg führt zu mehr, nicht weniger Atomwaffen.
00:00:05: Einer der Vorwände für den Iran- Krieg lautet die Entwicklung von Atom-Waffen verhindern zu wollen.
00:00:11: Doch die Folge des US-Angriffs dürfte im Gegenteil sein dass immer mehr Staaten auf nukleare Abschreckungen statt auf Diplomatie setzen.
00:00:20: Von Emma Claire Foley Übersetzung von Tim Steins.
00:00:26: Bei den anhaltenden US Angriffen auf den Iran dienen Atom Waffen einem altbekannten Zweck.
00:00:32: Sie sind Vorwand für schon zuvor beschlossene Militäraktionen.
00:00:36: Am zweiten März rechtfertigte Außenminister Marco Rubio, die US-amerikanischen Attacken als Versuch den Schaden eines israelischen Angriffs zu begrenzen und eine Situation zu verhindern in der der Iran über so viele konventionelle Raketen und Drohnen verfügt und so großen Schaden anrichten kann das niemand mehr etwas gegen sein Atomprogramm unternehmen könnte.
00:01:03: In den letzten Tagen ist allerdings unklarer geworden, welche Rolle die Atominfrastruktur des Iran – das Land verfügt zwar nicht über Atomwaffen aber offenbar über die Fähigkeit diese zu entwickeln im strategischen Denken der US-Regierung spielt.
00:01:20: In einigen aktuellen Berichten wird vermutet Trump erwäge Bodentruppen in das Land zu entsenden um nukleares Material zu entfernen.
00:01:29: andere Anzeichen deuten hingegen darauf hin dass ein Ende des iranischen Nuklearprogramms überhaupt nicht zur Debatte steht.
00:01:37: In jedem Fall haben die Angriffe der USA und Israels auf den Iran Auswirkungen auf die Atomwaffenpolitik weltweit, Der Status quo verschlechtert sich seit Beginn des Kriegs erheblich.
00:01:48: So kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron in einer Rede auf dem U-Boot-Stützpunkt Elelonge in der Bretagne am zweiten März an – das Land werde sein AtomWaffenarsinal dass derzeit aus etwa dreihundert Atomwaffen besteht, Ausbauen.
00:02:04: Am selben Tag erklärten Frankreich und Deutschland man wolle in der Militär- und Sicherheitspolitik und mit Blick auf Frankreichs AtomWaffen enger zusammenarbeiten.
00:02:14: Die nächsten fünfzig Jahre werden eine Ära der Atom Waffen sein, sagte Macron.
00:02:20: Der Zeit sind Frankreich Und das Vereinigte Königreich die einzigen beiden europäischen Länder die über eigene Atom waffen verfügen.
00:02:28: Dennoch bauen sie Ebenso wie andere NATO-Mitglieder auf die Vereinigten Staaten und deren erweiterte Abschreckung.
00:02:36: In der Theorie bedeutet dies, dass die USA auf einen Atomangriff auf eines dieser Länder mit ihren eigenen Atomwaffen reagieren würden.
00:02:45: Da es in einem solchen Fall mit ziemlicher Sicherheit zu einem Gegenangrif auf US-Teritorium kommen würde wird diese Vereinbarung aber mit einiger Skepsis betrachtet.
00:02:56: Schon Charles de Gaulle fragte sich einst Würde ein US-Präsident im Ernstfall wirklich New York für Paris opfern?
00:03:04: Aufrüstung statt Diplomatie.
00:03:08: Diese Situation wird möglicherweise nicht auf Dauer so bleiben, die Staats und Regierungschefs europäischer Länder ohne Atomwaffen äußern inzwischen Überlegungen eigene Atom Waffen zu entwickeln.
00:03:20: Mitte Februar erklärte beispielsweise der polnische Präsident Karol Nawroki eine Stärkung der Sicherheit Polens könnte sogar auf nuklearen Potenzial beruhen.
00:03:31: Ministerpräsident Donald Tusk sagte seinerseits, dass Polen in Bezug auf die nukleare Sicherheit im militärischen Kontext nicht passiv bleiben will.
00:03:41: Mehrere andere europäische Staaten haben ihre Bereitschaft bekundet sich an einem von Frankreich angeführten Planungsprozess zur nuklearen Abschreckung zu beteiligen der in kalter Kriegmanier als Vorne-Abschreckungen bezeichnet wird.
00:03:57: In europäischen Stellungnahmen zu Frankreichs Plänen wird bisher Penibel darauf geachtet, diese als Ergänzung zum Schutz durch US-Atomwaffen darzustellen.
00:04:07: Die meisten Länder Europas haben die Vereinigten Staaten bei ihren Angriffen gegen den Iran vorsichtig unterstützt – sei es verbal oder materiell!
00:04:21: Doch genau diese Vorsicht zeugt von einem nachhaltigeren Wandel in der globalen Atomwaffenpolitik, der durch die aktuellen Angriffe noch weiter gefestigt wird.
00:04:32: Es zeigt sich zunehmend wenden sich Staaten von Diplomatie ab und hin zu militärischen Maßnahmen.
00:04:40: Seien sie lediglich angedroht oder tatsächlich durchgeführt?
00:04:44: So hatte bereits die erste Trump-Regierung das unter Barack Obama ausgehandelte Atomabkommen welches stabile internationale Kontrolle der nuklearen Aktivitäten des Iran vorsah, aufgekündigt.
00:04:59: Die Vereinigten Staaten und der Iran hatten bis kurz vor den jüngsten Angriffen Verhandlungen geführt.
00:05:06: Einige Kommentatoren, die versuchen in dem Chaos der vergangenen Tage eine coherente Strategie der US-Führung zu erkennen, schreiben «der Iran sei nun möglicherweise eher bereit, den Forderungen der USA vollständig nachzukommen».
00:05:20: Unzählige andere Beobachter merken hingegen an, die Erklärungen der US-Führung würden einer langfristigen Strategie nicht einmal annähernd ähneln.
00:05:30: Tatsächlich haben sich mehrere US-Regierungen seit Jahren eher nachlässig gegenüber möglichen Proliferationsszenarien gezeigt – insbesondere wenn Länder beteiligt sind, die die USA als Verbündete betrachten!
00:05:44: Die Reaktion der beiden Regierung auf eine Ankündigung des damaligen südkoreanischen Präsidenten Jun Suk Yeol aus dem Jahr und wo nach Südkorea den Bau eigener Atomwaffen in Erwägung ziehe, war gelinde gesagt zurückhaltend.
00:06:02: Die Trump-Regierung scheint ihrerseits entschlossen ein Abkommen mit Saudi Arabien abzuschließen das dem Land die Mittel zur Erzeugung von Atomenergie verschaffen würde.
00:06:11: im Gegensatz zum Verhandlungsansatz der beiden Regierung Haben Trump und sein Team dem US-Kongress mitgeteilt, sie wollten kein Zusatzprotokoll oder – «Einhundertdreiundzwanzig Abkommen» benannt nach dem entsprechenden Abschnitt im Atomenergiegesetz?
00:06:27: Aufnehmen das Sicherheitsvorkehrungen gegen die Herstellung von Atomwaffen schaffen würde.
00:06:33: Saudi Arabien, dass die Angriffe der USA und Israels auf den Iran unterstützt hat offen angedeutet, Der US.
00:06:46: Unter Staatssekretär für Krieg, Elbridge Colby reagierte auf die Aussicht neuer europäischer Atommächte mit den Worten Ich denke wir würden mehr als nur versuchen ihnen das auszureden.
00:06:58: Wir würden uns dem zumindest vehement widersetzen.
00:07:02: Das ist keine eindeutige Aussage.
00:07:05: Es entsteht vielmehr der Eindruck dass die USA trotz all der Großspurigkeit Gewalt und dem unbedingten Willen der Führung den Status als globale Supermacht zu erhalten.
00:07:17: Es schlichtweg, als jenseits ihrer Möglichkeiten ansehen die weitere Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern.
00:07:23: Stattdessen wird eine solche Verbreitung als ein weiteres Risiko verstanden das mit militärischen Mitteln bewältigt werden muss sei es durch den direkten Einsatz von Gewalt oder in dem an die Rolle der Vereinigten Staaten bei der Landesverteidigung der Verbündeten erinnert wird.
00:07:40: diese jüngste Entwicklung Hin zu einer weiteren Normalisierung und Verankerung von Atomwaffen als Grundlage der Weltpolitik auf unbestimmte Zeit wurde dadurch beschleunigt, dass die Vereinigten Staaten Präventivschläge gegen den Iran durchgeführt haben ohne sich ernsthaft um eine schlüssige Rechtfertigung für ihr Handeln zu bemühen.
00:08:01: Die militärisch-industrielle Basis beispielsweise in Polen ist heute bei weitem nicht in der Lage, AtomWaffen herzustellen oder die Mittel zu deren Einsatz bereitzustellen.
00:08:12: Doch in ein paar Jahren oder Jahrzehnten könnte dies durchaus anders aussehen.
00:08:19: US macht schwindet, Interesse an Atomwaffen wächst.
00:08:25: Während sich der Krieg in der Ukraine hinzieht unternimmt Europa Anstrengungen um seine militärischen Kapazitäten auszubauen sowie Verbindungen zwischen den verschiedenen nationalen Rüstungsindustrien herzustellen bzw aufrechtzuerhalten.
00:08:40: Mit der Zeit Und unter den passenden Umständen könnte der Austausch von technologischen Informationen, Fachwissen, Materialien und Einrichtungen zwischen den europäischen Staaten dafür sorgen dass neue europäische Atomwaffenprogramme vorangetrieben werden.
00:08:58: Dies wäre vermutlich undenkbar gewesen hätten die USA nicht nach und nach ihre Bemühungen aufgegeben das entstehen neuer Atom Waffenstaaten zu verhindern trotz ihrer rechtlichen Verpflichtung dazu gemäß dem Atomwaffensperrvertrag.
00:09:12: Es ist naheliegend den Angriff auf den Iran als einen weiteren brutalen Akt der US-Außenpolitik, wie wir ihn seit Jahrzehnten kennen abzutun.
00:09:22: In vielerlei Hinsicht trifft das auch zu und sowohl diejenigen, die die Angriffe feiern – also auch die lautesten Kritiker dürften noch den Irak und Afghanistan im Hinterkopf haben.
00:09:34: Ebenso wichtig ist es aber zu verstehen Wer sich aktuell bedroht fühlt.
00:09:39: Wenn einige der engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten nun einen Vorteil darin sehen, den langen Weg zur Unabhängigkeit vom nuklearen Schutzschild der USA einzuschlagen zeigt dies deutlich die Grenzen der US-Macht auf.
00:09:54: Es ist ein weiteres Anzeichen dafür dass Washingtons Status als globale Hegemonialmacht Ein Ablaufdatum hat.
00:10:02: wenn sich nun immer mehr Länder bereit zeigen Auf Abschreckung und Gewalt statt auf Diplomatie zu setzen, wie es die Vereinigten Staaten vorleben, dürfte dies zu einem weitaus komplexeren und vor allem gefährlicheren Status quo führen.
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