Junge Alternative, aber professionell – von Maike Schüler

Shownotes

Die kürzlich gegründete AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland ist mehr als nur die alte Junge Alternative in neuem Gewand. Sie ist stärker in die Mutterpartei integriert und soll deren Nachwuchsarbeit professionalisieren.

Artikel vom 22. Dezember 2025: https://jacobin.de/artikel/afd-jugend-generation-deutschland-hohm

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00:00:00: Junge Alternative, aber professionell.

00:00:03: Die kürzlich gegründete AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland ist mehr als nur die alte junge Alternative in neuem Gewand.

00:00:11: Sie ist stärker in die Mutterpartei integriert und soll deren Nachwuchsarbeit professionalisieren.

00:00:17: Von Maike Schüler.

00:00:19: Die AfD feiert die Gründung ihrer neuen Parteijugend.

00:00:22: Gleichzeitig bleibt vieles beim Alten, die gleichen Mitglieder, ähnliche völkisch-nationalistische Ansichten, dieselben Kontakte in die rechtsextreme Szene.

00:00:31: Nach der Auflösung der jungen Alternative, JA, will die AfD mit der Gründung der Generation Deutschland, GD, gezielter junge Menschen in Zeiten politischer Aussichtslosigkeit ansprechen.

00:00:42: Hinter dem neuen Anstrich steckt aber auch der Versuch, die eigene Jugendarbeit zu professionalisieren und zugleich die Parteijugend enger an sich zu binden.

00:00:49: Beim Gründungskongress der Generation Deutschland, Ende November in Gießen, wurde die allgemeine Satzung verabschiedet sowie der vom Verfassungsschutz Brandenburg als gesichert rechtsextrem eingestufte Jean Pascal Hohm zum Vorsitzenden gewählt.

00:01:02: Der GD-Angehörn kann jedes AfD-Mitglied bis sechsunddreißig Jahren.

00:01:06: Sie ist der Partei als rechtlich-unselbstständige Teilorganisation unterstellt und unterliegt dem Parteienrecht.

00:01:12: Die Mutterpartei hat somit bei allem immer das letzte Wort.

00:01:15: Angetrieben von neuem Enthusiasmus wag die AfD nach dem Bruch mit der rechtsextremen jungen Alternative.

00:01:20: Anfang des Jahres einen neuen Anlauf, junge Menschen für sich zu gewinnen.

00:01:25: Die GD A. die sich zehntausend dreizehn gegründet hatte, wurde erst zweitausendfünfzehn von der AfD als Jugendorganisation anerkannt.

00:01:32: Wer bei ihr Mitglied sein wollte, musste per se kein Mitglied der AfD sein.

00:01:36: Organisiert war sie als Verein mit einem Bundesverband und Landesverbänden in sechzehn Bundesländern und laut eigenen Angaben rund zweitausendfünfhundert aktiven.

00:01:44: Über die Jahre radikalisierte sich die Yacht-Ahr zunehmend und wurde zweitausendzwanzigoffiziell als gesichert rechtsextrem eingestuft.

00:01:52: Grund dafür sei laut Bundesamt für Verfassungsschutz, dass die JA an einem völkisch-abstammungsmäßigen Volksbegriff festhalte.

00:02:00: Die JA geriet der Mutterpartei außer Kontrolle.

00:02:03: Beklagt wurden zu viele Überschneidungen mit rechtsextremen Netzwerken und zu enge Kontakte mit Identitären.

00:02:09: Durchgreifen konnte die AfD aufgrund der Vereinsstruktur der JA allerdings nicht.

00:02:13: Schließlich stand das Risiko eines Vereinsverbots im Raum.

00:02:17: Anfang twenty-fünfundzwanzig zog die AfD dann den Stecker.

00:02:20: Auf ihrem Bundeskongress beschloss die JA ihre Selbstauflösung.

00:02:24: Der AfD-Bundesverband ebnete zeitgleich auf ihrem Bundesparteitag den Weg zu einer neuen Jugendorganisation.

00:02:30: Sie solle die J-Dorn A ersetzen.

00:02:32: Mit der GD soll der AfD-Nachwuchs direkt ins Parteiwesen eingebunden werden.

00:02:36: Das politische Programm des Jugendverbandes ist noch nicht beschlossen.

00:02:40: Jedoch ist davon auszugehen, dass das eigenständige Auftreten der Jugendorganisation als Ausdruck einer strategischen Einbettung in die Machtstrukturen der Mutterpartei verstanden werden kann, die letztlich an den Fäden hängt, die die AfD im Hintergrund zieht.

00:02:53: Jugendarbeit mit Plan.

00:02:56: Der neue GD-Vorsitzende Jean-Pas Calhom, der in Gießen mit über neunzig Prozent der Stimmen gewählt wurde, ist achtundzwanzig Jahre alt, arbeitet nach eigenen Angaben als Mediengestalter.

00:03:07: sitzt für die AfD im brandenburgischen Landtag und ist seit seinem achzehnten Lebensjahr Parteimitglied.

00:03:13: Damit zählt er zu jenem Kreis, der die AfD von Beginn an mitaufgebaut hat.

00:03:17: Während seines Studiums soll er zeitweise Mitglied der Burschenschaft Salamandria Dresden gewesen sein.

00:03:22: In der Vergangenheit fiel Hohm durch Interviews auf, in denen er den Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD gegenüber der identitären Bewegung kritisierte.

00:03:30: Hohm, der ohne Gegenkandidaten antrat, gilt parteiintern als erfahren im politischen Tagesgeschäft.

00:03:36: Medienaffin und als kommunikativer Strategie, der sich gern vom öffentlich-rechtlichen Rundfunkinterviewen lässt.

00:03:42: Online wird er bereits als Brandenburger Posterboy oder Typ-Schwiegersohn stillisiert.

00:03:48: Holm scheut nicht davor zurück seine völkisch-nationalistischen und nativistischen Ansichten, beispielsweise seine Angst vor einem Bevölkerungsaustausch in Deutschland oder seinen Antisemitismus, öffentlich und transparent kundzutun.

00:03:59: Seinen Anspruch an die künftige AfD-Jugend machte er beim Gründungskongress in einem Interview mit dem RBB deutlich, Die neue Jugendorganisation wird diszipliniert auftreten.

00:04:09: Sie ist sich ihrem Kernauftrag bewusst, Kader Schmiede für die Mutterpartei zu sein.

00:04:14: Inhaltlich sei geplant, sich von den politischen Positionen der JA nicht allzu stark zu entfernen.

00:04:19: Gleichzeitig wolle man die Mutterpartei stärken.

00:04:22: Mit HOM kann die Parteijugend auf einen Medienprofi und in der rechtsextremen Szene gut vernetzten Typen setzen.

00:04:28: Es liegt nahe, dass die GD künftig versuchen wird, ihre Kontakte zu Sport- und Kulturvereinen kirchlichen Jugendgruppen, Wurschenschaften und Hochschulgruppen auszubauen sowie innerhalb dieser Strukturen eigene politische Initiativen und Austauschräume zu fördern.

00:04:42: Parallel dazu ist mit einer stärkeren medialen Rezeption und mit mehr Reaktionen durch rechte Influencer, Tiktokker und YouTuber zu rechnen.

00:04:50: Anders als häufig unterstellt, zeigte eine Studie der Otto Brenner Stiftung von letztem Jahr, dass die AfD bislang kaum über eine coherente Social-Media-Strategie verfügt.

00:04:59: Doch das könnte sich mit der neuen Partei Jugend ändern.

00:05:02: Professionalisierte Inhalte, betreut von jungen Social-Media-Strategen und Medienberatern, sollen Reichweite erzeugen und online neue Zielgruppen erschließen.

00:05:10: In einem Interview in Gießen zeigte sich AfD-Fraktionchef Tino Krupalla, überzeugt, dass durch die GD insbesondere mehr Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte gewonnen werden könnten.

00:05:19: Welche politischen Inhalte letztendlich über die Online-Kanäle laufen werden, bleibt abzuwarten.

00:05:24: Allerdings sollten völkisch-nationalistische und nativistische Positionen in Anbetracht des Vorstandsteams um Hom, Jan Richard Baer, Adrian Maxuni und Patrick Heinz.

00:05:35: Von denen letztere ebenfalls jahrelang in der JA aktiv waren und laut Recherchen teils nachweislich Verbindungen zur identitären Bewegung und NPD hatten, nicht überraschen.

00:05:44: Schließlich trägt die AfD jene lange in der Partei schlummernde Ideologie seit Jahren immer unverblümter, transparenter und selbstbewusster nach außen.

00:05:53: Nachwuchs für die Macht.

00:05:55: In Zeiten von zunehmend illiberaler Politik, in denen sich politische Kräfteverhältnisse neu justieren und ehemals liberale, grüne oder sozialdemokratische Programmatik nach rechts rückt, sehen sich junge Menschen mit zunehmender politischer Perspektivlosigkeit konfrontiert.

00:06:10: Sie erleben Enttäuschungen über politische Verantwortliche und sehen sich fehlenden Ausbildungsplätzen, Kürzungen beim Bürgergeld, Debatten über die Abschaffung von Minijobs und einem Abbau sozialer Infrastruktur, wie auch Jugend- und Kulturangeboten ausgesetzt.

00:06:25: Gleichzeitig werden auf ihrem Rücken Themen wie die Reaktivierung der Werbpflicht oder die Anhebung des Rentenalters diskutiert.

00:06:31: Einige reagieren darauf mit bundesweiten Schülerprotesten.

00:06:34: Bei anderen bietet dieses Gefühl des Übergangenwerdens Nährboden für eine Partei mit völkisch-nationalistischen Ansichten, die ihnen bessere Zeiten verspricht.

00:06:42: Mit der GD dürfte nun eine Professionalisierung der Jugendarbeit der AfD eintreten.

00:06:47: Als offizielle Parteijugend ist die GD juristisch weit schwerer angreifbar als die frühere JA.

00:06:53: Nun gilt, aktiv sein darf nur, wer auch AfD-Mitglied ist.

00:06:56: Damit erhält die Partei Durchgriffsrechte.

00:06:59: Wer nicht gefällt, dem wird mit einem Rausschmiss aus der Partei gedroht, wie zuletzt im Fall Alexander Eichwald, der in Gießen mit seiner Hitlerrede für Fassungslosigkeit im Saal sorgte.

00:07:08: Ob Eichwaldspositionen tatsächlich soweit von den politischen Überzeugungen anderer in der Partei abweichen, bleibt fraglich.

00:07:14: Mit der GD als Teil der Parteistruktur kann die AfD sich den Aufwand öffentlicher Abgrenzungen sparen.

00:07:20: Sie hat es nun viel stärker selbst in der Hand, welche Richtung der Jugendverband einschlagen soll.

00:07:24: Es ist ein Neuanfang für die Rekrutierung.

00:07:26: Mit der GD sichert sich die AfD wieder einen direkten Draht zu jungen Menschen.

00:07:31: Das ermöglicht der Mutterpartei eine gezielte Nachwuchsförderung, über die sie die Oberhand behält.

00:07:36: In Zeiten politischer Anspannung und autoritärer Krisenpolitik wirkt die Gründung der neuen AfD-Jugend vor allem wie ein neuer Anstrich der gescheiterten JA.

00:07:44: Ein Mittel, um einen Neuanfang zu suggerieren und die Aufbruchsstimmung mitzunehmen.

00:07:48: Die AfD strebt an die Macht und der Fall der Brandmauer scheint nicht allzu fern zu sein.

00:07:53: Für den Erfolg brauche es jedoch die Generation Deutschland, macht er abschließend auch Alice Weidel in Gießen klar.

00:07:59: Ich möchte, dass wir eine starke zweite und dritte Reihe dafür haben, rief sie den rund achthundert jungen Parteimitgliedern zu.

00:08:06: Ihr soll politische Verantwortung übernehmen und die Vorstufe dazu ist ein erfolgreicher Jugendverband der AfD.

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