Die Gewalt im Sudan lässt sich ohne Kolonialismus nicht verstehen – von Marius Wuttke

Shownotes

Im Sudan herrschen apokalyptische Zustände: Krieg, ethnische Säuberung und Hunger. Hierzulande wird der Konflikt weitgehend ignoriert. Dabei sind der Westen und auch Deutschland in die Geschichte dieser Krise tief verstrickt.

Artikel vom 11. April 2026: https://jacobin.de/artikel/sudan-krieg-rsf-saf-europa-deutschland-kolonialismus

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00:00:00: Die Gewalt im Sudan lässt sich ohne Kolonialismus nicht verstehen.

00:00:05: Im Sudan herrschen apokalyptische Zustände, Krieg, ethnische Säuberung und Hunger.

00:00:12: Hierzulande wird der Konflikt weitgehend ignoriert – dabei sind der Westen und auch Deutschland in die Geschichte dieser Krise tief verstrickt!

00:00:21: Von Marius Wutke.

00:00:24: Wieder werden Menschen im Sudan ermordet und wieder steht die Region davor im Zentrum der Gewalt, gegen Zivilisten ausgeübt wird.

00:00:36: Der sogenannte Bürgerkrieg, der zwischen den Sudanese Armed Forces, SAF unter General Abdel Fatal al-Burhan und der RSF unter Mohammed Hamdan Dagalo ausgetragen wird ist zweifellos ein Höhepunkt der Gewalt innerhalb der letzten Jahre.

00:00:52: Auch der deutsche Außenminister Wadefoul sprach im November bei einer Pressekonferenz in Bahrain von einer absolut apokalyptischen Situation.

00:01:01: Nach dem Sturz des Diktators Omar al-Bashir, der den Sudan fast dreißig Jahre lang regiert hatte entstand zwei Tausend neunzehn eine militärisch zivile Übergangsregierung die einen demokratischeren Weg einschlagen sowie den Genozid in Darfur und andere Gewalt unter der Diktatur aufarbeiten wollte.

00:01:18: Ab zwei tausend drei beging Al Bashir in Darfur mit Hilfe der islamistischen Popular Defense Forces PDF und den arabischen Milizen der Yanjavid aus denen später die RSF hervorgehen einen Genozid an verschiedenen nicht-arabischen Gruppierungen.

00:01:36: Die Zahl der Opfer dieses Genozids, der vor allem an den Gruppierungen der Fuhr, Marsalit und Zagawi begangen wurde wird auf dreihunderttausend geschätzt – weil sowohl die RSF als auch die SAF in hohem Maße selbst am Genozit beteiligt waren und sie unter der zivilen Regierung um ihre ökonomische Vorherrschaft im Sudan fürchteten, schlossen sich Al Burhan und brachten die zivile Übergangsregierung zu Fall, weil die RSF im weiteren Verlauf nicht bereit war ihre militärischen Einheiten und ihre ökonomischen Strukturen in die der Armee und in die von ihr dominierten staatlichen Institutionen einzugliedern.

00:02:15: Und weil Al-Burhan nach wie vor auf islamistische Kräfte aus dem Umfeld des gestürzten Machthabers al-Bashir setzte, brach der Krieg aus, der bis heute den Sudan verwüstet.

00:02:25: Der Begriff Bürgerkrieg führt deswegen in die Irre weil die Bürger hauptsächlich die Betroffenen und nicht die Akteure dieses Krieges sind, während eine kleine Machtelite mit Oligopolen der natürlichen Ressourcen-Krieg gegeneinander führt.

00:02:38: Weder die SAF noch die RSF interessieren sich bei dem Kampf um ihre maßgeblich durch Goldhandel aufgebaute Machtbasis für den Schutz von Zivilisten.

00:02:47: Seitdem Ausbruch des Kriegs im April, in April, es erleben die Menschen des Sudans eine andauernde Tortur.

00:02:54: Über einhundertfünfzigtausend Menschen sind tot, über vierzehn Millionen Menschen vertrieben und über zwanzig Millionen Menschen von Hunger betroffen.

00:03:02: Mit der Eroberung der Stadt El Fashir, die im nördlichen Darfuhr liegt, erreichte die RSF Ende Oktober vergangenen Jahres einen wichtigen Sieg.

00:03:11: Die seit Mai zwei tausendvierundzwanzig bestehende Belagerung der Statt resultierte in einem Blutbad.

00:03:17: Die RSF versuchten den Zugang zu Informationen zu verhindern Doch verschiedene Berichte sprechen von tausenden ermordeten Menschen.

00:03:26: Betroffene der Gewalt waren abermals vor allem die nicht-arabischen Gruppen der FUR, Marshalit und Zagabe.

00:03:33: Das Humanitarian Research Lab der Yale School of Public Health schätzt basierend auf Satellitenbildern das sich die Zahl der systematisch ermordneten und im Anschluss verbrannten Menschen sogar auf Zehntausende beläuft.

00:03:46: Was nach extremen Gewaltereignissen in Sudan – im westlichen Diskurs geschieht lässt sich vermutlich am treffendsten als Ritual beschreiben.

00:03:54: Egal, ob nach dem Genozid in Dafur, nach zwei Tausenddrei der nach einer allgemeinen moralischen Entrüstung ohne konkrete politische Maßnahmen wieder in Vergessenheit geriet – Der Gewalt die nach dem Abzug der UN-Mission UNA MID-Zweitausendzwanzig wider Zunahm und konsequent ignoriert wurde um das Scheitern der Vereinten Nationen zu vertuschen oder das schweigen wenige Wochen nach den Gräueltaten in El Fashir und dem ignorieren davon, dass die RSF nach wie vor Verbrechen begeht.

00:04:27: Das Ritual des Ignorierens wird dabei oft mit einer vermeintlichen Komplexität der Situation gerechtfertigt.

00:04:34: In Wahrheit aber ist die Choreografie der kurzen Entrüstung – die als bald vom weiteren Ignorieren der Lage vor Ort gefolgt – die sich weigert, ihre historische und aktuelle Verantwortung für die Grundlagen der Gewalt im Sudan anzuerkennen.

00:04:51: Dabei sollte die Gewalt nicht auf eine Feder zwischen zwei zerstrittenen Generälen reduziert werden.

00:04:57: Vielmehr haben die Motive der Gewald im Sudan strukturell historische Gründe, die selten ausreichend berücksichtigt werden – weil Europa dadurch eine Mitschuld zukommt – und damit Entscheidungen der Vergangenheit revidieren und die aktuelle Politik gegenüber internationalen Partnern überdenken

00:05:12: müsste.".

00:05:14: Versklavung und Trennung.

00:05:18: Die Janjavid waren eine arabische Miliz, die von der Regierung Al-Bashir genutzt wurde um den Genozid in Darfur, zu begehen.

00:05:26: Aus dem Janjaved gingen ab im Jahr zehnt die RSF hervor.

00:05:30: Bis heute verknüpfen viele Sudanesinnen und Sudanesen die beiden Gruppierungen eng.

00:05:36: Viele Überlebende verwenden die Namen Beidermilizen synonymhaft.

00:05:40: Bis Heute gibt es auch starke personelle Kontinuität zwischen den beiden Gruppen.

00:05:45: Unter anderem war der heutige Anführer, der Air SF Dagalo ein wichtiger Kommandeur und mit seinem familieneigenen Rinder-und-Kamelexport einer der entscheidenden Finanziers der Janjavet Militz.

00:05:57: Ende Januar berichtete Reuters von der Versklavung von Kindern durch die RSF.

00:06:02: Auch die Janjaved nutzten bereits beim Genozid an verschiedenen nicht Arabischen Gruppierungen, die ca.

00:06:07: dreißig Prozent der Bevölkerung im Sudan ausmachen ab zwei-tausend drei rassistische Erzählungen, in denen nicht arabische Menschen als Sklaven und Schwarze gekennzeichnet wurden um die ethnische Gewalt zu legitimieren.

00:06:20: Die Identifizierung als Arabisch oder Nichtarabisch konstruiert sich im Sudan aus historischen regionalen sprachlichen und sozialen Faktoren, die sich im Verlauf der letzten zweihundert Jahre allerdings verhärtet haben und zu einer starken Gegenüberstellung der nicht arabischen Gruppierungen in den Peripherien auf der einen und den arabischen Gruppierungen in den Ballungszentren auf der anderen Seite geführt hat.

00:06:45: Gepaart mit zahlreichen dokumentierten Fällen, bei denen die RSF – auch nach der Eroberung El-Faschius

00:06:51: II.V.,

00:06:53: ihre nicht Arabischen Opfer abwertend als Sklaven oder Schwarze beleidigte und auch in den vergangenen Jahren nicht arabische Gruppen als Sklaven dargestellt wurden, lässt sich hier eine Kontinuität bis in die Kolonialzeit erkennen.

00:07:07: Diese Kontinuität lässt sich durch die osmanisch-egyptische Eroberung der Gebiete des heutigen Sudans und Südsudans in den Achtzehnhundertzwanziger Jahren verstehen.

00:07:17: Ägypten war damals zwar offiziell eine Provinz des Osmanischen Reiches, besaß allerdings einer eigene Armee und damit auch eigene imperiale Bestrebungen.

00:07:28: Durch die ägyptische Eroberung wurden die einzelnen Königreiche und Sultanate in dem Gebiet zum ersten Mal als Zusammenhängen des Gebildes Sudan gewaltsam formiert.

00:07:38: Diese Erobergang und die daraufhin gebildete Kolonie des türkisch-egyptischen Sudans ist ein Schlüsselereignis, um die bis heute herrschenden Konfliktlinien zwischen sich als arabisch und nicht Arabisch definierenden Gruppen zu verstehen.

00:07:52: Die ägyptischen Eroberer beuteten den Sudan und seine Goldvorkommen aus – und intensivierten den Sklavenhandel massiv!

00:08:01: Vor allem Menschen aus dem heutigen Südsudan und aus den Peripherien des Sudans fielen der Versklavungskampagne zum Opfer die dem ägyptischen Staat billige Arbeitskräfte und Soldaten lieferte.

00:08:13: Wenn die RSF bei ihren Verbrechen in Darfur-Zweitausendfünfundzwanzig ihre Opfer in abwertender Weise als Schwarze und Sklaven bezeichnen, so zeigt das nicht nur den rassistischen Charakter dieser Gruppierung sondern auch die Kontinuitäten und Anknüpfungen an Narrative, die im Sudan seit der ersten Unterwerfung durch osmanisch-egyptische Truppen herrschen.

00:08:34: Weil Ägypten aufgrund des Baus des Suezkanals in eine finanzielle Schieflage geriet und die Briten um ihre Kontrolle zum Kanal – und damit den Verlust des Zugangs nach Indien fürchteten, besetzten sie eighteenhundertzweiundachtzig das Land, lösten die ägyptischen Streitkräfte auf und übernahmen damit federführende Kontrolle über den Sudan.

00:08:57: Als Anglo-Egyptisches Kondominium verleipte sich das British Empire den Sudan de facto als Kolonie ein in der Ägypter auf mittleren Verwaltungsposten und Sudanesien auf unterster Ebene eingesetzt wurden.

00:09:11: In der Kolonialpolitik der Briten dieser Zeit werden weitere Grundlagen für den Genozid in Darfur ab dem Jahr, und die heute daran anknüpfende Gewalt geschaffen.

00:09:21: Die massive Bevorzugung der Hauptstadt-Kartoum im Gegensatz zu den Peripherien des Landes wie den Regionen Darfur sowie die schrittweise Grenzziehung zwischen dem christlich animistisch geprägten Süden und dem muslimisch-geprägten Norden des Landes, zementierten die Linien.

00:09:37: Anhand derer bis heute die Konflikte im Sudan verlaufen – nicht nur führte die Abschottung und politische sowie ökonomische Marginalisierung des Südens durch Großbritannien noch vor der offiziellen Unabhängigkeit, nineteenhundertsechsundfünfzig dazu.

00:09:52: Dass die Südsudanesen Aus Angst vor einer Arabisierung bis zur Unabhängigkeit des Südsudans, zwei Tausend Elf immer wieder die Waffen erhoben und es in Folge dieses Bürgerkriegs zu zweimillionen Opfern kam.

00:10:05: Auch die strikte Trennung zwischen arabisch- und afrikanisch wurde während der Kolonialzeit der Briten verfestigt.

00:10:11: Waren diese Begriffe zuvor durchlässig benötigten die Briten für ihr koloniales Herrschaftssystem getrennte Gruppen und ordneten Menschen zu steuerrechtlichen und administrativen Zwecken entweder als einem Arab Tribe oder einem African Tribe zugehörig ein.

00:10:27: In Verbindung mit der Fokussierung auf die Hauptstadt und die einhergehende Maginalisierung der Peripherien instrumentalisierten sämtliche politische Kräfte, mit Ausnahme der Sudanese Communist Party, SCP im Sudan nach der Unabhängigkeit diese konstruierte Gegenüberstellung um die nicht Arabischen Gruppen als rückständig und minderwertig darzustellen und damit die eigene Machtkonzentrationen-Kartum zurechtfertigen.

00:10:53: Fremdbestimmtheit nach dem Kolonialismus.

00:10:57: Die Fremderrschaft über den Sudan setzt sich auch nach dem Ende der Koloniale Zeit fort.

00:11:02: Im Roman, Seasons of Migration to the North des vermutlich einflussreichsten sudanesischen Schriftstellers des zwanzigsten Jahrhunderts Tayyep Sali kehrt der sudanesische Protagonist nach seiner erfolgreichen Promotion in London In seine kurz zuvor von Großbritannien unabhängig gewordene Heimat zurück.

00:11:21: Der Roman schafft es die durch den Kolonialismus entstandenen Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse, und ihre Kontinuitäten auch nach der formellen Unabhängigkeit des Sudans, nineteenhundertsechsundfünfzig nachzuzeichnen.

00:11:34: Auch deshalb wurde er zu einem wichtigen Text der postkolonialen Literatur und von namhaften Vertretern wie Edward Said und Gayatri Spivak zu einem Schlüsseltext der Auseinandersetzung mit Kolonionalismus und Eurozentrismus erhoben.

00:11:49: Umso interessanter ist der Umstand dass das Buch in Beirut ansässigen Hiva-Verlag erschien.

00:11:56: Dieser war, wie später bekannt wurde an den von der CIA finanzierten Congress for Cultural Freedom CCF angegliedert.

00:12:06: Dass ein Schlüsselwerk der postkolonialen Studien verdeckt durch den US-amerikanischen Geheimdienst finanziert wurde um Interessen des globalen Nordens voranzutreiben versinnbildlicht den für den Sudan typischen Kolonialenfremdzugriff besser als ein romanes Jehe könnte.

00:12:22: Nach der Unabhängigkeit in den letzten Jahren löste sich der Sudan zwar formell aus dem anglo-egyptischen Kondominium.

00:12:30: In der Folge wurde der Sudan jedoch erneut zur Projektionsfläche fremder Großmächte, diesmal im sich abzeichnenden Kalten Krieg.

00:12:38: Mit denen in der Kolonialzeit verfestigten strukturellen Konflikten zwischen Peripherie und Khartoum sowie sich als arabisch und nicht Arabisch identifizierenden Gruppen, eignete sich der Sudan als einer der ersten nach dem Zweiten Weltkrieg unabhängig gewordenen afrikanischen Staaten sehr gut um auf seinen Territorium Machtinteressen durchzusetzen.

00:12:58: Bereits drei Jahre vor der sich abzeichnenden Unabhängigkeit bereiteten sich verschiedene Mächte darauf vor in einem offiziell dekolonisierten Land ihren Einfluss beizubehalten.

00:13:09: Ägypten, unter Gamal Abdel Nasser wollte den Zugriff auf die Ressourcen des Sudan aufrecht erhalten und machte sich die in der Kolonialzeit zugespitzte Situation zwischen dem christlich-animistischen Süden und dem muslimischen Norden zu Nutze.

00:13:24: In Kooperation mit der Universität Cairo wurden zum Beispiel Flugblätter gedruckt und im Süden des Sudans verteilt – auf denen vor dem Einfluß der Muslime im Norden gewarnt wurde.

00:13:35: Außerdem schickte Ägypten Tausende mit Geld ausgestattete Geheimagenten in den Sudan, die die Panerabische Bewegung Unity of the Nile Valley im Sudan unterstützen sollten.

00:13:45: Die sich für eine Vereinigung mit Ägyptien einsetzte.

00:13:49: Die islamistischen Kräfte, die sich gegen einen Anschluss an Ägyptin aussprachen wurden wiederum massiv von Großbritannien unterstützt immer unter dem Vorbehalt dass man nach einer möglichen Unabhängigkeit den Zugang zum oberen Nil behalten würde.

00:14:04: Neben den alten Kolonialmächten traten auch andere Länder erstmals dominant in Erscheinung.

00:14:09: Auch wenn Deutsche, von Bismarck über Hindenburg bis hin zum Nazi-General Erwin Rommel, über Jahrhunderte versuchten, den Sudan mit seiner strategischen Lage am Nil für ihre Interessen zu missbrauchen, scheiterte dies lange an der ägyptisch-britischen Kontrolle der sudanesischen Eliten – doch ab der Unabhängigkeit, gegen die zivile Regierung in den letzten Jahren, durch Ibrahim Aboud, einem Militär, der in Kasernen des British Empires ausgebildet wurde, Griff die Bundesrepublik verstärkt in sudanesische Politik ein.

00:14:45: Eine Motivation der BRD lag zweifelsfrei in dem Versuch, die DDR international zu isolieren.

00:14:53: Durch massive Rüstungsexporte und sogenannte Entwicklungsgelder schaffte es die Bonner Republik – eine diplomatische Anerkennung durch den Sudan bis zu verhindern.

00:15:05: Neben dem Bau einer Munitionsfabrik, durch einen deutschen Rüstungsbetrieb im Sudan und der Lieferung von signifikanten Mengen an Rüstungskütern die in den folgenden Jahrzehnten im gesamten subzaharischen Raum Afrikas immer wieder prominent eingesetzt wurden lag ein Fokus des Deutschen Engagements in der Unterstützung des sudanesischen Geheimdienstes.

00:15:25: Der Bundesnachrichtendienst hatte ab und half dem sudanesischen Sicherheitsapparat sich ohne britische Unterstützung zu konsolidieren, um Gewerkschafters und Südsudanesen zu verfolgen.

00:15:40: Der BND konnte dabei wiederum auf koloniale Strukturen aufbauen.

00:15:45: Der erste instituzionalisierte Geheimdienst im Sudan war das Public Security Department – PSD – dass nineteenhundertfünfzehn von den Briten aufgebaut worden war.

00:15:56: Neben der Verfolgung derjenigen die sich für nationale Unabhängigkeit einsetzten wurde nach der Oktober-Revolution, nineteenhundertsebzehn der Kampf gegen kommunistische Ideen und linke Gewerkschaften das Hauptziel.

00:16:09: Wie überall wurden auch für den Aufbau des BND Büros in Kartum von der Bundesrepublik Kriegsverbrecher eingesetzt die einige Jahre zuvor noch Schlüsselpositionen innerhalb des NS inne hatten.

00:16:20: wie der Historiker Roman Deckardt nachzeichnet Das deutsche Waffen und Geheimdienste eingesetzt worden um südsudanesische Rebellen zu ermorden die sich nicht der Arabisierungspolitik der Militärdiktaturen beugen wollten, störte in Bonn kaum jemanden.

00:16:35: Im Gegenteil – noch zwei Jahre vor den Protesten, die den Diktator Ibrahim Abu zum Rücktritt zwangen, ließ sich Konrad Adenauer bei einem Empfang den Orden der sudanesischen Republik überreichen.

00:16:48: Was Apokalypse bedeutet?

00:16:51: Bis in die nineteenhundertneunziger Jahre nach Millionen von im Sudanesischen Bürgerkrieg ermordeten Menschen lieferte Deutschland Waffen und schweres Militärgerät an sudanesische Regierungen, ganz gleich ob sie panorabisch islamistisch oder nationalistisch ausgerichtet waren.

00:17:08: Die Arbeiten der Journalisten Rainer Kahrs und Nikolaus Steiner aus dem Jahr zwei Tausend Neunzehn die Waffenexporte über eine deutsche Rederei und einen ukrainischen Hafen in den Sudan dokumentierten und Verbindungen zu einem BND-Mann mit dem Decknamen Klaus Hollmann herstellen konnten werfen die Frage auf ob Deutschland in Bezug auf seine Waffenexporte tatsächlich einen Schlussstrich gezogen hat.

00:17:31: Was auf jeden Fall sicher ist, Deutschland schickt nach wie vor Waffen an die Hauptunterstützter – sowohl der SAF als auch der RSF!

00:17:39: Dass es neben Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigen Arabischen Emiraten ein Dutzend weiterer Staaten gibt, die militärisch oder ökonomisch in den Krieg eingreifen, erschwert eine Lösung zusätzlich.

00:17:51: Auch dass die EU mutmaßlich an der Verfestigung von repressiven Strukturen beteiligt war, indem sie unter dem Diktator Al-Bashir hunderte Millionen von Euros über die Better Migration Management Initiative BMM zur Externalisierung der Migrationsabwehr in die sudanesischen Sicherheitsapparate pumpte trägt zur Verschärfung bei.

00:18:12: Dass die twenty-fünfundzwanzig ins Leben gerufene Quad-Initiative USA Saudi Arabien vereinigte arabische Emirate und Ägypten einen Frieden herstellen kann, erscheint aus mehreren Gründen unwahrscheinlich.

00:18:27: Erstens wurde eine durch sie eingeleitete beschränkte Waffenruhe von den RSF zugesagt aber von der Armee abgelehnt und in der Folge nicht eingehalten.

00:18:35: Und zweitens gelangen nach wie vor europäische und arabische Waffen in den Sudan während sudanesisches Gold über die Vereinigten Arabischen Emirate Saudi-Arabien, Äthiopien, Kenia und die Schweiz in den Welthandel gelangt.

00:18:50: Besonders die EU und auch Deutschland könnten ihre ökonomische Macht weitaus Engagierte ausspielen.

00:18:56: Stattdessen wird die humanitäre Hilfe gekürzt – und Verantwortung verschwiegen, weil man um eine Verschlechterung der Beziehungen zu den für die europäische Energie-Sicherheit wichtigen arabischen Ländern fürchtet.

00:19:08: Wenn in den nächsten Monaten erneut Berichte um die Welt gehen, die von Massakern der RSF in Darfur oder Cordo fahren handeln, sollten wir uns vergegenwärtigen dass Deutschland eine Mitverantwortung an dieser Gewalt trägt.

00:19:21: Statt allgemeine und performative Bestürzung zu äußern, sollte sich der deutsche Außenminister Johann Wadefuhl klarmachen was er sagt wenn er die Situation im Sudan als apokalyptisch beschreibt.

00:19:34: In der ursprünglichen altgriechischen Bedeutung bezeichnet die Apokalypse eine Offenbarung oder Enthüllung.

00:19:40: Und tatsächlich ist die Gewalt im Sudan eine Enthüllung.

00:19:44: Sie enthüllt zweihundert Jahre kolonialer Gewaltpraktiken, die darauf ausgelegt sind, die Mehrheit zum Nutzen weniger auszubeuten.

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